Traumstrände und Gefängnisaufenthalt Sri Lanka 1997

Ein Begleiter aus Deutschland

Nach nur einer Flugstunde erreichten wir Colombo, die Hauptstadt der Insel Sri Lanka. Wir konnten aber noch nicht mit unseren Rädern in Richtung kulturelles Dreieck in den Norden von Cylon starten. Wir bekamen das erstemal nach acht Monaten Reisedauer Besuch aus der Heimat. Ronny, ein alter Schulfreund von Gil hatte sich entschlossen, uns ein Weilchen zu begleiten. Er war noch nie in Asien unterwegs, dementsprechend heftig waren die ersten Eindrücke für ihn auf den ersten Metern vom Flughafen nach Negombo. Für ihn war es besonders schwer, sofort mit unserem Tempo mitzuhalten. Doch Ronny ließ sich nicht unterkriegen. Wir waren also ab sofort zu dritt unterwegs und fuhren nach einer kurzen Eingewöhnungszeit zuerst nach Anuradhapura.

Ronny Spionek, ein Freund aus Deutschland begleitete uns.

Das kulturelle Dreieck

Es war noch Monsunzeit und es schüttete wie aus Eimern, viele Regionen waren überflutet. Als wir in Anuradhapura angekommen waren, entdeckten wir den Ort genauer, der über tausend Jahre lang Zentrum verschiedener singhalesischer Königsdynastien war. Hier gab es viele buddhistische Stupas und Tempel, darunter die riesige „Ruvanvelisaya Dagoba“ und der „Sri Mahabodi Baum“. Ein Ableger vom Originalbaum aus „Bodh Gaya“ in Indien, unter dem Buddha vor ca. 2.500 Jahren seine Erleuchtung erhielt. Gleich in der Nähe entdeckten wir den besonderen Ort „Mihintale“, einen der ältesten buddhistischen Tempelgebiete auf Sri Lanka. Von hier aus verkündete Der Mönch Mahinda das Wort Buddhas auf Ceylon. Der Ort wirkte sehr friedlich und herrlich grün. Besonders die Monumentaltreppe hinauf zum Berggipfel war mit dutzenden Frangipani-Bäumen gesäumt und duftete so sehr, dass einem die Sinne vernebelt wurden.

Sri Lanka ist eine herrliche Insel und es machte sehr viel Spaß, auf relativ guten Straßen die Landschaft zu entdecken. Die Leute waren überaus freundlich und hilfsbereit und das Essen war sehr scharf und lecker. Als wir auf dem Weg nach „Polonnaruwa“ durch ein geschütztes Dschungelgebiet fuhren, tauchten direkt auf der Straße wilde Elefanten auf. In erster Sekunde ein Schreck, doch was wir dann erlebten, gehörte zu einem der schönsten Erlebnisse auf dieser Insel. Wir lehnten die Räder langsam an einen Baum und schlichen uns leise an die Elefantenherde heran. Aus nächster Nähe entdeckten wir dann ein kleines Elefantenbaby, erst wenige Wochen alt. Wir waren so ruhig und machten uns klein, dass die Elefanten in nur 8 Meter Entfernung keine Gefahr in uns sahen. Überglücklich von diesem Erlebnis fuhren wir bis nach Polonnaruwa weiter. In diesem bedeutenden, historischen Ort gab es viele Buddhastatuen, Schreine und alte Relikte zu bewundern.

Ein weiteres Highlight war der 200 Meter hohe „Sigirya Felsen“ in der Nähe von „Dambulla“ mit seinen jahrtausende alten Malereien mit Wolkenmädchen an den Felswänden auf dem Weg zum Gipfelplateau. In der Nähe konnten wir auch die Felsenhöhlen mit unzähligen Buddhastatuen erkunden. Immer wieder staunten wir über die enorme Abwechslung auf der Insel.

Anuradhapura, nördliches Sri Lanka
Buddha Statue Mihintale
Bodhibaum, original Ableger vom Baum der Erleuchtung Buddhas

Elternbesuch aus der Heimat

Vorerst ging die Fahrt zurück nach Negombo, denn nur sieben Tage nach Peer’s 22. Geburtstag erwartete er dort seinen lieben Vater Werner, genau zu dessen 45. Geburtstag. Er hatte ihn so lange nicht gesehen. Er brachte unzählige Leckereien aus Deutschland mit, vor allem viel Schokolade und Süßigkeiten, von denen wir gar nicht mehr wussten wie lecker sie waren. Aber er brachte auch viele Neuigkeiten mit, die wir wie ein Schwamm in kürzester Zeit aufsaugten. Leider verging die Zeit zu schnell und schon mussten wir wieder Abschied nehmen.

Wir fuhren nun Richtung Süden, um Sri Lanka weiter zu umrunden. An der malerischen Palmen bestandenen Westküste verbrachten wir nicht nur einen schönen Jahreswechsel in „Hikkaduwa“ mit Tauchgängen im Wrack „Der Conch“ sondern wir wurden auch Zeugen, wie eine Suppenschildkröte in „Kosgoda“ nachts am Strand über 100 Eier ablegte. Die Eier wurden sofort dem Loch entnommen und auf der Schildkrötenfarm zum kontrollierten Ausbrüten wieder vergraben. Es war ein Schutzprojekt, damit so viele Schildkröten wie nur möglich überlebten.

malerische Westküste mit vielen Sandstränden
Grüne Meeresschildkröte auf dem Weg zur Eiablage, Südwestküste
Schildkröten-Eierbergung für Arten-Schutz und sicherem ausbrüten in Aufzuchtsstation

Im Gefängnis

In Unawatuna bezogen wir für nur eine Nacht ein Zimmer in einem Gästehaus am Strand. Dieser Aufenthalt wird uns wohl noch Jahre in Erinnerung bleiben.
Während wir auf der Strand-Terasse saßen, fühlten sich unsere Tischnachbarn, total betrunkene Einheimische aus einer Siedlung in der Nähe, angesprochen. Einer stand auf und fing an, handgreiflich zu werden. Er zertrümmerte unser Gesellschaftsspiel auf dem Tisch, Gil schubste zurück und schon eskalierte die Lage. Stühle flogen durch Fensterscheiben und kaputte Bierflaschen wurden als Stichwaffe eingesetzt. Peer nebelte die beiden Angreifer mit Pfeffer Spray ein und sie rannten weg. Wir dachten es sei vorbei, doch weit gefehlt.

Im Gefängnis in Koggala

Aus dem Dorf kamen zwanzig Leute mit Macheten, Äxten und Knüppeln auf uns zu. Zum Glück erkannten wir sofort den Ernst der Lage, rannten ins Zimmer und verbarrikadierten die Tür. Inzwischen hatte die Besitzerin des Gästehauses die Polizei gerufen. Wir öffneten die Tür und sogar im Beisein der Polizei kickte einer der Angreifer Peer in den Bauch. Wir wurden verhaftet und auf die Polizeistation gebracht. Dort landeten wir in einer stinkenden Zelle, obwohl wir den Streit nicht begonnen hatten.

Am nächsten Tag sollten wir in „Galle“ vor Gericht gebracht werden. Wir kannten die örtlichen Gesetze nicht. Peer bestand vehement auf ein Telefonat mit der deutschen Botschaft in Colombo. Nach wiederholtem Drängen durfte Peer dann telefonieren und die Botschafterin sagte, dass wir sofort Gegenanzeige stellen sollten, sonst würden wir die Schuld eingestehen. Gesagt und getan stellten wir Anzeige gegen unsere Angreifer und schrieben ein seitenlanges Pamphlet, wie es zur Massenschlägerei kam. Kurz danach waren wir frei, so schnell es nur ging suchten wir das Weite und verschwanden hinter dem nächsten Horizont.

Das Ende der Welt

Die Fahrt führte uns in den malerischen Süden und dann in das wolkenverhangene und kühle Bergland hinauf. Vorbei an den „Ella Wasserfällen“ erreichten wir die Stadt „Nuwara Eliya“ auf 1.800 Metern Höhe. Hier fanden wir viele schöne Häuser aus der englischen Kolonialzeit und mit dem ständigen Nebel fühlten wir uns nach England versetzt. Einige Kilometer weiter westlich ging es hinauf in den atemberaubend schönen „Horton-Plains-Nationalpark“. Hier ging es zu Fuss zum Ende der Welt durch dichtesten Nebelwald, welcher sich scharf von Feuchtwiesen mit Orchideen abgegrenzte. Ein besonderer Anblick waren auch die großen Languren-Affen mit ihren schwarzen Gesichtern und weißen Bärten, die wir in den Bäumen aufgescheucht hatten. Baumfarne säumten den Weg Richtung „Worlds-End“, einer 600 Meter tiefen Steilwand, von wo aus wir fast bis zur Küste blicken konnten. Ein Bad im glasklaren Wasserfall rundete die Tour durch diesen Weltnaturerbe-Nationalpark ab.

Das größte Heiligtum Sri Lankas

In der Stadt „Kandy“ besuchten wir den heiligen Zahntempel, in dem ein originaler Eckzahn Buddhas unter Goldreliquien aufbewahrt wird. Eine Masse an Gläubigen schob uns im Gedränge am Sichtfenster im Inneren des Schreines vorbei. Nur kurz erhaschten wir einen Blick auf das größte Heiligtum Sri Lankas. Besonders interessant war auch die Palmenblatt-Bibliothek des Tempels. Etwas außerhalb von Kandy staunten wir nicht schlecht, als wir im Botanischen Garten nicht nur über die größten Kokosnüsse der Welt stolperten sondern auch über den weltgrößten Ficus Baum mit einer Kronenfläche von ca. 2.000 Quadratmetern. Die Insel hat tausend Gesichter und viele tolle Orte, welche wir besuchten, schlossen wir in unser Herz. Das Elefanten-Waisenhaus in „Pinnawela“ war ein weiterer Beweis für die Vielfalt der Insel. Tausende Kilometer fuhren wir kreuz und quer durch das Land und konnten uns nicht an den vielen grünen Tee Plantagen satt sehen. Hier konnten wir einige Teesorten probieren und auch die Herstellung des weltbekannten Cylon Tees beobachten.

Dem Himmel näher

Ein letztes großes Abenteuer auf Sri Lanka war die Besteigung des „Adams Peaks“, der sich mit 2.243 Metern wie ein Zahn aus dem südlichen Bergland erhebt. Von den Edelstein Minen in „Ratnapura“ aus fuhren wir mit unseren Rädern etwas and das „Peak Wilderness Sanctuary“ heran. Der Aufstieg war sehr weit und im oberen Abschnitt extrem steil. So steil, dass vor dem Gipfelbereich viele gesicherte Leitern angebracht worden waren. Wir hatten das Gefühl in den Himmel bergauf zu steigen, da der Gipfel so spitz war. Oben angekommen traten wir in den Sri Pada Tempel ein, welcher für alle Weltreligionen heilig ist. Nach einer friedlichen Übernachtung im Pilgeraum des Schreines, durften wir im Sonnenaufgang die heilige Tempelglocke mit dem Klöppel anschlagen. Ein klarer Klang ertönte hinaus in die Welt für Frieden und Menschenliebe.

Heiliger Adams Peak 2.243 m
Teeplantagen im Bergland von Sri Lanka
Teepflückerinnen bei der Arbeit

Nach über 3.500 Kilometern fuhren wir wieder nach Colombo und von dort aus ging es zurück nach Indien. Unser Begleiter Ronny war immer noch mit von der Partie. Doch immer öfter kam es zu schweren Streitigkeiten untereinander. Es war sehr schwierig die Meinungen von drei Leuten unter „einen Hut“ zu bringen. Die Frage war: Wie sollte es weiter gehen oder würde gar unser kleines Team komplett auseinander brechen?

Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.