Thailand – Im Land des Lächelns Thailand 1998 - 1999

Kaum angekommen in Mukdahan auf der anderen Seite des Mekong, fahren wir mit unseren Fahrrädern im lauten und wilden Verkehr in das Zentrum unserer ersten Stadt in Thailand. Noch im vollen Tempo missachten wir die erste rote Ampel und werden sofort von Polizisten aus dem Verkehr gepfiffen. Es blieb bei einer Ermahnung. Spätestens jetzt waren wir zurück in der Zivilisation. Wir durchquerten in großen Distanzen den gesamten nördlichen Osten Thailands. Auf den Hügelketten an der kambodschanischen Grenze entdeckten wir sogar alte Khmer-Ruinen.

Früchte Markt auf Koh Chang

Die Elefanteninsel Koh Chang Trat

Noch ein Stück südlicher erreichten wir den Golf von Thailand. Mit einer Fähre ging es hinüber auf die Insel Koh Chang Trat. Hier fühlten wir uns wirklich wohl, endlich trafen wir nach Monaten in der Abgeschiedenheit auf gleichgesinnte und andere Reisende. Koh Chang war ein richtiges Traveller-Paradies. Am Abend gab es auch mal eine Party und wir konnten in den Riffen herum tauchen und mit einem Kajak die vorgelagerten Inseln erkunden. Koh Chang wird von einem knapp 1000 Meter hohen Gebirge dominiert, welches völlig in dichten primär Regenwald eingehüllt ist. Hier stürzen sich kristallklare Wasserfälle in die Tiefe und klare Becken laden zum Baden ein.

Hochgiftige Bambus-Otter im Nationalpark der Insel Koh Chang
Sonnenuntergang auf Koh Chang

Der Natur auf der Spur

In den Regenwäldern ist die Welt noch in Ordnung und es gibt Schlangen, viele Vogelarten und Insekten zu bestaunen. Auch Elefanten werden auf der Insel gehalten, ganz nach dem Namen, Koh Chang, Elefanten-Insel. Im südlichsten Dörfchen Bang Bao treffen wir auf Fischer, welche auch ein paar Fische zubereiten, wenn man sie bittet. Auf der Insel nach Süden hin wurden die Unterkünfte und kleinen Bungalow-Anlagen im spärlicher aber hier und da versteckte sich eine kleine Strandbar. An den Bäumen der Unterkunft hängen riesige Pomelo Früchte und überhaupt war hier für alles gesorgt, besonders viele tropische Früchte gab es zu essen.

Mitten in Bangkok
Blick auf Bangkok vom "Golden Mount"

Metropolis Bangkok

Endlich konnten wir uns einmal richtig ausruhen, doch schon bald sitzen wir wieder im Sattel auf dem Weg nach Bangkok, Krung Thep. Diese Stadt war wieder ein richtiger Kultur-Schock für uns, laut, quirlig, endlose Betonstraßen und Hochhäuser so weit das Auge reicht, durchflutet von einem Konzert der bunten Farben sobald es dunkel wurde. Wir kamen unter im Stadtteil Banglampoo, in der Nähe der weltbekannten Khao San Straße, wo 24 Stunden lang Jubel und Trubel stattfand. Hunderte Händler schoben sich mit Touristenströmen durch die Straßen, dazwischen waren dutzende Garküchen die ihr Essen feil boten. Hier wurde alles verkauft, vom bekannten Pad Thai (Glasnudeln mit Nüssen und Gemüse) bis hin zu geröstete Pfefferwanzen, Skorpionen und gedünstete Fröschen. Nebenan waren Klamotten Geschäfte und Schneider boten ihre Dienste an, für den modernsten „Hugo Boss“ Anzug a la  Kopie zum kleinen Preis. Überall in den Gassen und in den letzten Nischen waren kleine Geschäfte und ganze Straßenzüge wurden zu Restaurants umgebaut am Abend. Es war kaum vorstellbar, das es überhaupt irgendwo einen ruhigen Platz in dieser Stadt gab. Umso mehr überrascht war ich, als ich in eine andere Welt durch den Tempeleingang des buddhistischen Wat Chanasongkram lief. Hier herrschte absolute Ruhe, ich hörte die Vögel in den Bäumen zwitschern. Weihrauch stieg an verschieden Ecken auf und Mönche verteilten kleine Opfergaben, darunter schöne Lotosblüten. Im Tempel vor der großen Buddha Statue beteten Thai-Gläubige und zündeten Weihrauch an. Hier könnte ich Stunden sitzen und zuschauen, dachte ich mir. Und das alles mitten in Bangkok, kaum zu glauben.

Auf dem Weg in Andaman See

Es dauerte Stunden bis wir durch den dichten Verkehr Bangkoks den weg aus der Stadt gefunden hatten und bis wir die letzten Betonbauten der Metropolis hinter uns ließen. Fortan waren wir wieder auf dem Lande unterwegs. Noch einmal sahen wir Hochhäuser in der Touristen Hochburg Hua Hin. Wir hatten unterwegs einige Souvenirs angefertigt, schöne Dream Catcher. Diese wollten wir an die urlaubshungrigen Touristen in Hua Hin verkaufen. Wir standen am Stand mit unseren Rädern. Jedoch sprach uns keiner der Urlauber an und wir konnten auch nichts verkaufen. Und alles weil wir beide nur noch 50 DM im Geldbeutel hatten. Dann war unser Geld restlos alle. Zu Weihnachten wollte ein Freund und Gils Vater zu Besuch kommen. Er wollte dann Nachschub mitbringen. Doch bis dahin wurde es schwierig. Ab sofort suchten wir uns für eine Übernachtung am Wege nur noch buddhistische Tempel, wo wir wie Pilger behandelt wurden. Wir bekamen ein Essen und durften direkt im Tempel auf dem Boden schlafen. Allerdings immer mit dem Kopf in Richtung Buddha Statue und die Füße, der niedrigste Körperteil, weg vom Altar. Morgens um 6.00 ging es weiter, wir stiegen in den Sattel, kurbelten den ganzen Tag bis wir und Abends wider einen Tempel suchten. Es war äußerst interessant den Mönchen zuzuschauen. Einmal wurden wir von anderen thailändischen Reisenden im Tempel zum Abendessen eingeladen. Es gab gekochten Waran am Lagerfeuer und er war zäh wie Schuhsohle. Dafür stimmte die Atmosphäre und ich schaute in den endlosen Sternenhimmel.

Mit den Mönchen im Tempel mitten in Thailand
Übernachtung im Buddhistischen Tempel

Die Elefanteninsel Koh Chang Ranong

Angekommen in Ranong an der Andaman See, schauten wir uns erst die heißen Quellen in der Nähe der Stadt an, versteckt in einem Park an. Wir entschieden uns dafür eine weitere Insel zu besuchen, Koh Chang Ranong. Auch diese Insel trägt den Namen Elefanten-Insel, warum auch immer, auf der Insel gibt es keine Elefanten. Mit einem Longtail Boot geht es vom kleinen Hafen in Ranong hinaus auf das offene Meer und nach einer Stunde Fahrt erreichen wir endlich die schöne Insel, auf der es keine Elektrizität gibt. Eine kleine Bungalowanlage bei einer Familie ist unser Zuhause für die nächsten Tage. Der Nachthimmel ist atemberaubend mit scheinbar Millionen von Sternen. Wir unternehmen allerlei Aktivitäten, darunter eine Angeltour weit draußen auf dem Meer. Wir fingen viele Fische, die Frage war nur, was damit tun, es gab ja keinen Kühlschrank. Da kam uns eine super Idee. Wir fanden einige alte Speise-Öl-Kanister aus Blech und daraus bauten wir einen Räucherofen. Die Einheimischen beobachteten unser seltsames treiben misstrauisch. Unser Brennmaterial lag zuhauf am Strand, heruntergefallene trockene Kasuarina-Nadeln. Nach einiger Zweit waren die Fische fertig geräuchert. Unsere Gastgeberfamilie war begeistert vom Nutzen aber auch vom Geschmack. Zum Dank überließen wir den Räucherofen der netten Familie und versprachen irgendwann einmal wieder zu kommen.

Erfolgreicher Fischfang auf der Insel Koh Chang Ranong
Ein selbstgebauter Räucherofen in Aktion, Koh Chang Ranong

Die Touristen-Hochburg Phuket

Seit Wochen sind wir nun fast ohne Geld unterwegs und staunen selbst wie es auch fast ohne Geld gehen kann, aber das „Gelbe vom Ei“ ist es auch nicht. Auf der Insel Phuket angekommen, können wir in Patong Beach absolut keine Unterkunft mehr finden. Es ist alles radikal ausgebucht, vielleicht waren aber auch unsere letzten 15 Mark zu wenig, oder wir sahen etwas verwildert aus. Die letzte Möglichkeit, ach ja, dass war wider das Bordell und siehe da, wir bekommen ein Zimmer. Am nächsten Morgen machen wir unsere Zimmertür auf und wer steht da vor uns. Ein Deutscher, den wir vor über einem Jahr in Sri Lanka getroffen hatten. Er war aber nicht nur zum Übernachten hier. Später erfuhren wir vom Hotelbesitzer, dass sein nächtlicher Besuch männlicher Natur war. Perfekt verändert und bildhübsch als „Lady-Man“ oder in thailändisch als „Kratoi“ bekannt, wenn er das wüsste. Inzwischen hatte ich keinen einzigen Baht (Thailändische Währung) und auch keine Mark mehr in der Tasche. Als ich so durch die Straßen von Patong lief, traf ich einen Deutschen der eine Bäckerei hier betreibt und sein Nachbar auch aus Deutschland einen Motorradverleih. Der groß gewachsene nette Deutsche half mir weiter mit 100 Dollar. Dafür musste ich meinen Pass bei ihm hinterlassen und das Geld später zurück zahlen.

Besuch aus Deutschland

Ein Freund und Gils Vater kamen pünktlich wie versprochen aus Deutschland zu Besuch. Gierig saugten wir die Neuigkeiten von Zuhause auf. Wichtig war, wer hat sich von wem getrennt, wer hat die Heimat verlassen und was hat sich Zuhause alles verändert. Mit den Beiden unternahmen wir eine tolle Tour in den großen Khao Sok National Park, auf dem Festland 150 km nördlich von Phuket. Zu Fuß liefen weit in den Regenwald und an einem schönen Fluss schlugen wir für mehrere Tage unser Lager auf. Fernab der Zivilisation gab es eine Menge zu erzählen. Wieder in Phuket fuhren wir in den Süden der Insel nach Rawai. Dort traf ich auf den jungen Thai, Somwang Patamakanthin, der mit seinem Vater Somnuk das bekannte „Phuket Sea Shell Museum“ betreibt. Da ich mich auch schon seit vielen Jahren für die Lebensweise und Vielfalt von Mollusken (Muscheln & Gehäuse-Schnecken) interessiere, hatten sich zwei Gleichgesinnte gefunden. Wir wurden Beide von der netten Familie Patamakanthin eingeladen und erfuhren viel über Thailands Fischerei. Der Abschied fiel schwer und wir fuhren weiter in den absoluten Süden Thailands durch Landschafften mit endlosen Gummibaum Bestand und Ölpalmen. Nur auf den Bergen waren die Regenwälder erhalten. Malaysia war nicht mehr weit weg.

Überlebens-Training im Khao Sok Regenwald
Blick in den Khao Sok National Park
Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.