Ramadan in Malaysia und Abenteuer auf Sumatra Malaysia 1999

Ramadan in Malaysia

Es ist kaum zu glauben wie verschieden die einzelnen Länder in Asiens wirklich sind. Kaum fuhren wir über die Grenze vom buddhistischen Thailand, befanden wir uns in modernen muslimischen Gesellschaft Malaysias. Die Landschaften sind auch hier geprägt von schroffen Kalksteinbergen sowie unüberschaubar großen Ölpalmen- und Kautschuk Plantagen. Wir sind fast nur auf großen Straßen unterwegs. Überall im Land und auch auf der Insel Penang sind alle Geschäfte geschlossen und die Straßen sind eher leer gefegt, da gerade Ramadan ist. Es ist gerade etwas schwierig für Radfahrer, etwas zu essen zu bekommen. Ein oder zwei chinesische Restaurants verkauften dennoch etwas, aber nur hinter den Kulissen mit zugezogenen Schaufensterscheiben, welch ein Glück für uns. Wir konnten es aber nicht lange aushalten hier in Georgetown auf Penang. Da erfuhren wir zum Glück von einer Fähre, die von der Insel Penang über die Makassar Straße übersetzt direkt nach Sumatra Indonesien. Langer Rede und kurzer Sinn, buchten wir zwei Fährtickets und schon ging es weiter nach Indonesien. Sumatra, die sagenumwobene Insel der Urang Utan, Regenwälder und rauchenden Vulkane. Wir waren sehr gespannt was uns hier erwartet.

Auf der Fähre von Penang nach Sumatra

Sumatra und die Millionen Metropole Medan

Kaum angekommen in Medan fühlten wir uns etwas nach Indien zurück versetzt. Die Menschenmengen, die Lautstärke, die Rikschas, fliegenden Händler und die unerträgliche Hitze. Da ich schon vorher Monatelang in Indonesien unterwegs war, auch mit dem Fahrrad, kannte ich das Land, nur Sumatra war mir neu. Nach einigen Tagen im Gäste-Haus in Medan machten wir uns als Erstes auf den Weg nach Bukit Lawang im Leuser Nationalpark. Es ist der Ausgangspunkt für lange Trekkingtouren und die Beobachtung von Orang Utan aus nächster Nähe. Auch Elefanten, Tiger und Nashörner leben hier. Unsere  Fahrt geht auf und ab durch Palmölplantagen. Am Wegesrand konnten wir uns auch öfters durch leckere Kokosnüsse erfrischen. Bukit Lawang ist ein kleines malerisches Dorf, welches sich an das Ufer des Bahorok Flusses schmiegt in mitten des Regenwaldes. Unzählige kleine Unterkünfte in schönen Gärten stehen zur Auswahl. Ich kann es kaum abwarten in den Fluss zu springen um eine Abkühlung zu erhaschen.

Sicht auf Bukit Lawang
Leuser National Park, Sumatra, Indonesien

Sumatra und die Millionen Metropole Medan

Die Indonesier sind sehr gesellig und musikalisch. Speziell dieser Region von Sumatra ist sehr christlich geprägt und deshalb ist hier der Ramadan auch nicht so präsent. Am Abend sitzen wir und viele Reisende aus aller Welt gemütlich mit den Einheimischen und ihren Gitarren in der Runde am Lagerfeuer. Wir wollten natürlich auch unbedingt die Orang Utan sehen, liebevoll von den Indonesiern „Menschen des Waldes“ genannt. Gleich in der Nähe befindet sich das Orang Utan Rehabilitations-Zentrum Bohorok. Am frühen Morgen schauen wir bei der Fütterung der Orangs auf den Plattformen der Nationalparkbehörde zu. Die Orangs wurden teilweise durch Waldabholzung verletzt oder verstört von Holzfällern hier abgegeben. Auch wurden manchmal die Eltern von den Waldarbeitern getötet und die Babys mit nach Hause genommen. Sie werden hier in Sicherheit aufgezogen und wieder gesund gepflegt und nach längerer Zeit natürlich ausgewildert.

Orang Utan Reha Zentrum, Bukit Lawang, Sumatra
Orang Utan Reha Zentrum Bukit Lawang, Sumatra
Orang Utan im Leuser National Park
Orang Utan Baby mit Mutter, Leuser National Park

Der Leuser Nationalpark

Danach unternehmen wir eine drei Tage lange Trekkingtour durch den tausende Quadratkilometer großen Leuser Nationalpark. Hier dürfen wir nur mit einem Nationalpark Guide und in der Gruppe mit anderen Trekkern in den Park. Am frühen Morgen ging es los, erst durch Kautschukplantagen und später hinein in den Primärregenwald. Dicke Lianen hängen von den Bäumen und große Brettwurzelbäume stehen in der bergigen Landschaft. Es geht teilweise sehr steil bergauf und kurz darauf wider steil und lange bergab. Wir schlafen Nachts unter großen selbst gebauten Zelten aus Ästen und Plastikplanen, typisch indonesisch. Mehrmals täglich halten wir mitten im Wald an und treffen auf Orang Utans aus nächster Nähe, ein wirklich eindrucksvolles Erlebnis. Am dritten Tag sind wir sehr weit im Park und durchqueren den reisenden Bohorok Fluss zu Fuß. Auf der anderen Seite warten Träger auf uns mit großen Traktor-Gummi-Reifen. Auf ihnen treiben wir nach Bukit Lawang zurück. Wehmütig lassen wir das gemütliche Bukit Lawang hinter uns und fahren mit unseren Rädern über Medan hinauf in das mächtige Bukit Barisan Gebirge Sumatras, in das Gebiet der Batak.

Brettwurzel-Baum, Leuser Nationalpark, Bukit Lawang, Sumatra
Mützenlangure, Leuser National Park
Ratan mit großen Dornen, Leuser National Park
Rafting im Leuser National Park, Bukit Lawang, Sumatra

Aktive Vulkane und heise Quellen

Vor uns liegt ein steiler Anstieg hinauf auf einen 1.400 Meter hohen Bergpass um auf die Hochebene von Berastagi zu gelangen. Erst am späten Abend erreichen wir den kühlen Bergort und finden eine tolle Unterkunft in einem alten kolonialen Gästehaus. Dieser Ort wird dominiert von zwei aktiven Vulkanen, dem Sibayak und Sinabung Vulkan. Berastagi ist ein herrlicher Ort, mit bunten Gemüse-Märkten, schönen alten Gebäuden und ist umgeben von Regenwaldlandschaften. Als die Wolken am Sibayak Vulkan verschwinden sehen wir den Rauch des Vulkans aufsteigen. Kurzerhand entscheiden wir den Sibayak näher unter die Lupe zu nehmen. Wir packten unser Equipment und stiegen los durch schöne Gemüsefelder hinauf in den kühlen Bergnebelwald. Dort entdeckten wir einige alte Treppen welche uns in die große Caldera des Sibayak führten. Überall sahen wir zischende Fumarolen und viel frischen Schwefel. An einer Seite stiegen wir auf den Hauptgipfel und schlugen dort geschützt hinter Felsen unser Zelt auf. Von hier oben hatten wir eine tolle Aussicht in die Caldera und auf die umliegende Landschaft, den Nachbar-Vulkan und in der Ferne den Tobasee mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 90 Kilometern. In der Nacht konnten wir die Millionen Lichter der Stadt Medan sehen. Durch einen tollen Bergwald ging es wider hinunter und zurück zu Unterkunft. Dort konnten wir zum ersten Mal Sago-Käfer-Larven probieren, die es hier zu kaufen gibt. Auf dem Markt probieren wir noch Rambutan, süße Passionsfrüchte und Mangosteen bevor wir weiter fuhren zum mächtigen Tobasee. Wir nehmen uns nun vor, unsere See Umrundung zu vollenden.

Bunter Gemüse Markt, Berastagi, Hochland Sumatra
Kinder in Berastagi, Sumatra, Indonesien
Blick in die Sibayak-Vulkan Caldera, Berastagi, Sumatra

Der größte Kratersee der Welt

Die Fahrt war sehr holprig auf den kaputten Straßen und unser Fahrradtaschen wurden kräftig durchgeschüttelt. Schon von weitem ist der See zu sehen. Man schaut wie von einem Tisch hinunter in ein Becken wo sich der riesige See ausbreitet. Unsere Fahrt geht oben auf der gewaltigen nördlichen Caldera um den See und in sehr steilen Serpentinen hinunter zu den heißen Quellen von Pangururan. Hier nehmen wir ein kurzes Bad und über eine ganz kleine Brücke geht es hinüber auf die Insel Samosir. Auch diese Insel ist circa 1.500 Meter hoch und hat sehr idyllische Straßen. Im Örtchen Tuk Tuk lernen wir die Kultur der Batak kennen, die einst Kopfjäger waren und gefürchtete Stammesrituale durchführten. Bis die Missionare kamen, dann wurde alles anders. Wir konnten in den alten Dörfern Ambarita und Tomok in vergangene Zeiten eintauchen. Das Wasser vom Tobasee ist so kristallklar, das ich beim Freitauchen Unterwasser sehr weit blicken kann. Es ist herrlich, der Seeboden ist überzogen mit verschiedensten Unterwasserpflanzen und voller Fisch. Der Tobasee ist der größte und mit 505 Metern der tiefste Kratersee der Erde.

Batak Dorf Tomok, 400 Jahre alte Steinsitze der Könige, Samosir, Toba See, Sumatra
Tanzaufführung im Batak Dorf Ambarita, Toba See, Sumatra
Blick auf den größten Kratersee der Erde, Toba See, Sumatra
Blick in die Landschaft mitten in Sumatra

Über den Äquator zu den Minangkabau

Wir verlassen den Tobasee über Parapat in Richtung Bonjol, dem Äquator in Sumatra. Auf der Südhalbkugel erreichen wir das Land der Minangkabau in Bukittingi. Hier gibt es eine Menge zu sehen. Gewaltige Vulkane stehen am südlichen Horizont der Stadt. Hier steigen wir tief in den Sianok Canyon hinunter, für ein Fluss-Trekking mit einigen schwierigen Passagen in diesem engen Tal. Auf den natürlichen Wiesen weiden sogar wilde Wasserbüffel. Auf dem Weg zu mehreren traditionellen Minangkabau Häusern (Rumah Adat) besuchen wir auch Kaffee Plantagen und auch die Herstellung von Kaffee ist sehr interessant. Ganz Sumatra ist eine Fundgrube an Erlebnisse und tollen Erfahrungen mit verschiedensten Menschen und deren Kulturen. Von Bukittingi geht unsere Radfahrt hinunter an die Küste nach Padang. Von hier steigen wir auf die staatliche Pelni Fähre, welche alle Haupt-Inseln Indonesiens, dem größten Inselarchipel der Erde miteinander verbindet. Unsere Fahrt über Nacht geht wieder Richtung Norden auf die vorgelagerte Insel Nias.

Stadt Bukittingi mit Merapi Vulkan, Zentral-Sumatra
Minangkabau Palast, Bukittingi, Sumatra
Minangkau Frauen, Bukittingi, Sumatra
Trekking im Sianok Canyon, Bukittingi, Sumatra
Küste bei Padang, West Sumatra
Steinpyramide für Rituale, Dorf Bawomataluo, Insel Nias, NW Sumatra
Traditionelles Haus (Rumah Adat), Insel Nias, NW Sumatra

Negativerlebnisse bleiben hängen

Am südlichen Ende der Insel befinden sich weltbekannte Surfer Gebiete mit den besten Wellen. Doch wir schaffen es nur schwerlich kurz auf dem Brett zu stehen. Dazu wird Gil noch „über die Ohren gehauen“ als der Surfbrettverleiher Gil’s Sicherungsleine am Surfbrett anschneidet. Im Riff wurde Gils Bord von einer großen Welle weggerissen und der Einheimische behauptete Gil hätte die Sicherungsleine kaputt gemacht. Er verlangte 100 Dollar Reparaturkosten. Auch sonst waren die Menschen hier nicht so freundlich wie in Sumatra selbst. Das könnte daran liegen, das das Überleben hier weitaus härter ist, als auf der Hauptinsel. Mit einer kurzen Fährüberfahrt geht es zurück nach Sumatra und von dort über den südlich Tobasee, um unsere Umrundung komplett zu machen, zurück nach Medan. Nachdem ich mir ein Bild von dieser besonderen Insel machen konnte, schwor ich mir eines Tages widerzukommen. Von Belawan ging es nach 2 Monaten wider zurück nach Penang Malaysia.

Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.