Pakistan – Zurück im Himalaya Pakistan 2000

Stopover in Bangkok mit großen Überraschungen

Nach sieben Monaten verlassen wir Neuseeland sehr wehmütig und fliegen für einen kurzen Stopp nach Bangkok, Thailand. Hier wollen wir ein Visum für Pakistan beantragen und müssen in Schock Festellen, dass die pakistanische Botschaft in Bangkok zur Zeit geschlossen hat. Die große Frage ist, was nun? Nach Kuala Lumpur in Malaysia fliegen geht nicht, also müssen wir versuchen ohne ein Visum nach Pakistan zu gelangen. Dass es schwierig würde, dachten wir, aber so schwierig? Am Flughafen in Bangkok wurde unser Pakistan Visum abgefragt und wir sagten wir hätten keins. Die Beamten sagten, dass sie uns nicht in das Flugzeug lassen dürfen. Wir bestanden aber mit aller Ausdauer und Härte darauf. Sie sagten okay, wir lassen sie ins Flugzeug, aber wir würden 100 % wieder zurück geschickt und kommen eh wieder hier in Bangkok an. Mit diesem Kommentar verlassen wir Bangkok und fliegen nach Pakistan. Dort angekommen, nehmen uns die Beamten sofort zur Seite, verhören uns und wollen uns zurück schicken. Nach zwei Stunden Wartezeit und ständiger Beharrlichkeit das Visum hier in Pakistan beantragen zu  wollen, knicken die Beamten ein und geben uns eine 72 Stunden Extraaufenthaltszeit. In dieser Zeit müssen wir alles im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten in Islamabad klären. Somit dürfen wir vorerst ohne Visum ins Land, wobei eine Abschiebung noch nicht ausgeschlossen ist.

Blick in eine Fleischerei, Pakistan
Gekocht wird im Restaurant direkt an der Straße
Blick auf Islamabad, Pakistan
Unterer Lowari Pass, West Himalaya, Nord-Pakistan

Das beeindruckende Chitral Tal

Die nächsten drei Tage rennen wir von einer Behörde zu nächsten, um das Visum endlich zu bekommen und um uns zu legalisieren. Und es funktionierte, wir bekamen tatsächlich unser Visum und sogar noch etwas günstiger als in der Botschaft in Thailand. Jeweils ein weiteres Visum organisieren wir uns für Tadschikistan und China. Auch für Kirgistan brauchen wir eine Aufenthaltsgenehmigung, konnten aber weit und breit in Pakistan keine Botschaft finden. Wir wollen es noch in Gilgit (Nord-Pakistan) versuchen, vielleicht gibt es dort wenigstens ein Konsulat. Kurz danach verlassen wir sofort Islamabad, mit dem Ziel des Hindukusch Himalayas. Von dort wollen wir wie geplant Überland nach Kirgistan und weiter über Zentralasien nach Europa fahren. Es geht hinauf in die Berge Richtung Mingaora bis wir in das Chitral Tal abbiegen. Schon bald steigt die Straße steil an und endlose Serpentinen führen auf extrem schlechter Straße hinauf zum Lowari Pass 3.120 Meter. Teilweise ist die Straße weggebrochen und der Verkehr kam weiter oben vollständig zum Erliegen. Wir können aber noch mit großen Schwierigkeiten an den betroffenen Stellen vorbeischieben. Auf der anderen Seite ist die Straße etwas besser. Hier sind wir auf dem großen Hindukusch Trail unterwegs, eine ganz besondere Route über das westliche Himalaya-Gebirge. Später erreichen wir das Dorf Chitral.

Pakistaner im Kampf mit der Straße, Chitral Tal, Nord Pakistan
Oberer Lowari Pass, West Himalaya, Nord-Pakistan
Harte Arbeit zum Lowari Pass Gipfel, Chitral Tal, Nord Pakistan
Tiefblick vom Lowari Pass, Chitral Tal, Nord Pakistan
Straßenszene in Chitral, Northern Areas, Pakistan
Kinder in Chitral, Northern Areas, Pakistan

Das sagenumwobene Volk der Kalasha

Kalasha im Bumburet Dorf, Nord Pakistan

Hier lassen wir die Räder für einige Tage stehen und fahren mit einem Jeep in Richtung afghanische Grenze zum Volk der Kalasha im abgelegenen Bumburet Tal. Dort fühlen wir uns wirklich in der Zeit zurück versetzt. Dieses Volk ist am Aussterben bedroht, durch religiöse Verfolgung und innerpolitische Umstrukturierungen in Pakistan. Es gibt nur noch 3000 Kalash von einst über 100.000 Bewohnern. Sie haben eine komplett andere Kultur entwickelt, als alle anderen Völker der Region und sie haben nichts mit dem Islam zu tun. Die Ethnie stammt vermutlich von unterschiedlichen Zweigen der Indo-Iraner ab, die vor tausenden Jahren schon hierher gewandert sind. Es gibt aber auch eine These, dass die Kalash von einigen Männern des Heeres von Alexander der Große geründet wurden. Diese Vermutung ist aber nicht wirklich bestätigt. Wir übernachten in traditionellen Kalasha Häusern und können so das tägliche Leben im Dorf für einige Tage beobachten.

Küche einer Kalasha Familie, Bumburet, Nord Pakistan
Kalasha Mädchen, Bumburet Dorf, Nord Pakistan
Freundliche Kalasha Mädchen in Bumburet, Nord Pakistan

Der große „Hindukusch Trail“

Von Chitral geht es durch spektakuläre Landschaften hinauf zum Shandur Pass 3.700 m.

Auf dem Shandur Pass 3.738 m, Nord Pakistan
Im Shandur National Park, Nord Pakistan
Blick in die Hindukusch Täler, Nord Pakistan
Dorfbewohner bei der Arbeit, Hindukusch, Nord Pakistan
Tribal Mann, Hindukusch Trail, Nord-Pakistan

Oben erreichen wir mit unseren schwer beladenen Fahrrädern den höchsten Polo-Spielplatz der Welt. Einmal im Jahr treffen sich tausende Zuschauer zum Polospiel. Leider sind wir nicht zur richtigen Zeit da, allerdings haben wir unser eigenes Spektakel hier oben. Die Landschaft im Shandur National Park entschädigt uns für jegliche Strapazen und ich bin froh darüber, dass wir diese Route nach Gilgit gewählt haben. Wir folgen dem Gilgit Fluss in engen Tälern, mit steilen Bergflanken und beeindruckender Erosion des Gesteins. Ab und zu tauchen kleine malerische Dörfer auf, in denen die Zeit stehen geblieben zu scheint. Irgendwann nach circa zwei Wochen erreichen wir endlich Gilgit und treffen alte Freunde wieder. Sie können kaum glauben, dass wir immer noch unterwegs sind. In der Haupstadt Nord-Pakistans gibt es leider auch kein kirgisisches Konsulat. Somit fällt unser gesamter Plan wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Wir müssen leider wieder zurück nach Islamabad und weiter nach Lahore um dort ein Visum für ein Land zu organisieren, in welches wir nicht reisen wollten, dem Iran.

Straßenszene mit Schuhmacher, Gilgit, Nord Pakistan
Freund in Gilgit, Nord-Pakistan

Richtung Afghanistan und Iran

Wir verlassen Lahore und fahren nach Quetta, bekannt für ständige Bomben-Anschläge der Jamaat-ul-Ahara Djihadisten, eine Teilgruppe der Taliban. So richtig sicher fühlen wir uns in dieser Stadt nicht und wir wollen auch nicht lange hier bleiben. Auf dem Weg in Richtung Iran müssen wir nun durch die ländliche sehr gefährliche Region Belutschistan fahren. Die Grenze zur afghanischen Provinz Kandahar ist auch nicht weit weg und die Landschaft besteht nur noch aus Einöde und Wüste. In dieser Region sind schon viele Reisende überfallen worden oder für immer verschwunden. Um dieser Gefahr aus dem Weg zu gehen, fahren wir die Kilometer nach Taftan in einigen Stunden mit dem Zug. Dort überqueren wir die Grenze in einer längeren Prozedur und sind fortan im Iran.

Shalimar-Gärten von Kaiser Shah Jahan in Lahore, Pakistan
Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.