Neuseeland – Das andere Ende der Welt Neuseeland 1999 - 2000

Neuseeland

Auckland, Nord Insel, Neuseeland
Tongariro-National Park, Nordinsel
Mauerarbeiten, Kerikeri

Als wir am anderen Ende der Welt ankommen, sind wider fast unsere gesamten Ersparnisse aufgebraucht. Wir müssen uns erneut um eine gute bezahlte Arbeit kümmern. Doch das gestaltet sich in Neuseeland eindeutig schwieriger als in Australien. So haben wir zuvor von anderen Reisenden erfahren, dass die Bezahlung schlechter ist und eine gut bezahlte Arbeit kaum zu finden sei. Nach einigen Tagen Aufenthalt in Auckland fahren wir Richtung Norden um irgendwo auf einer Farm Arbeit zu finden. Wir landen durch Zufall in der ältesten Stadt Neuseelands, in Kerikeri an der Bay of Islands gelegen. Hier kommen wir im Aranga Backpacker und Holiday Park unter. Wir fragen überall auf den Farmen in der Gegend an und treffen hier auch auf schlecht bezahlte Arbeiter. Sie erzählen uns wie hart die Erntearbeit auf den Kiwi-Farmen ist und auch auf den Avocado Plantagen ist es nicht besser für 5 Dollar die Stunde. Durch einen großen Zufall treffen wir aber in Kerikeri auf ein deutsches Aussiedler Ehepaar, die vor wenigen Jahren nach Neuseeland gezogen sind und in ihrem Garten ein paar Bungalows vermieten. Sie stellen uns für ihre Gartenarbeiten an. Nach einigen Tagen Arbeit kommt hier ein anderer Deutscher Aussiedler zu Besuch, ein Freund unseres Arbeitgebers. Er beobachtete uns eine Weile wie wir arbeiteten. Dann bot er uns mehr Geld an und nahm uns kurzerhand einfach mit. So landeten wir auf einem 7 Hektar großen Land einer deutschen Millionärs-Aussiedlerfamilie. Hier gab es unendlich viel Arbeit für Monate. Auch die Bezahlung war sehr gut und so arbeiteten wir hart und gaben uns große Mühe. Im Aranga Park gehe ich nach der Arbeit manchmal auf dem Fluss paddeln und wir stellen Aal Fallen auf. Einmal hatte ich das Glück, einen 1 Meter langen und 5 Kilogramm schweren Neuseeländischer Langflossenaal zu fangen.

Natursteinwände, Grundstück eines deutschen Millionäres
Arbeit in Kerikeri, Nordinsel Neuseeland
Gartengestaltung in wochenlanger Arbeit, Kerikeri

Unsere Natursteinwände landen in einem internationalen Magazin

Da wir beide aus dem Bereich Handwerk kommen, sollten wir für Walter riesige Natursteinmauern errichten, Treppen bauen, Wege pflastern, Gartengestaltung in jeglicher Form bestreiten. Wir bauten Wasserfälle und große Stützmauern aus Basaltgestein und terrassierten die Landschaft im Grundstück. Im Garten gab es reichlich Früchte, wie die kostbaren neuseeländischen Feijoa, Macadamia Nüsse und kleine rote Guaven. Wir stellten insgesamt einen halben Kilometer Natursteinwände im Grundstück und kamen auf insgesamt 180 Tonnen Vulkangestein, welches wir mit der Spitzhacke aus den umliegenden Landschaften ausgruben und dann verbauten. Nachdem wir wochenlang pausenlos gearbeitet hatten, wollten wir erst einmal Neuseeland kennenlernen. Wir kauften uns jeder einen Bob-Trailer, Fahrradanhänger. Ab sofort waren wir auf drei Rädern unterwegs und transportierten jeder auf unseren Fahrrädern zwischen 80 und 90 Kilogramm Last. Darunter war viel Ausrüstung für Bergbesteigungen, sogar eine Eisaxt und Bergseil, sowie Zelte, Isomatten, Schlafsäcke, Kocher und Trinkwasserfilter sowie ABC Tauchausrüstung waren in unseren Fahrradtaschen verstaut. Einfach alles um autark in der Natur überleben zu können und für jede Aktivität ausgerüstet zu sein.

Ab jetzt hat seiner seinen Fahrradanhänger

Besuch bei den traditionellen Maoris

Whakarewarewa Geysir Flat, Nordinsel
Whakarewarewa, Maori Dorf, Nordinsel

Wir verlassen Kerikeri in Richtung Süden über Hamilton nach Auckland und weiter bis nach Rotorua. Hier befindet sich die bekannte Maori Ureinwohner Gemeinde Whakarewarewa, inmitten Neuseelands größtem Geysirfeld mit vielen heißen Quellen und Schlammtöpfen. Die „Geysir Flat“ ist wirklich einzigartig mit einer sehr hohen Aktivität direkt über einer geologischen Verwerfung. Gegen Eintritt können wir uns das schöne Dorf anschauen und sogar bei einer Tanzaufführung der Maoris teilnehmen. Die Maoris kamen im 12. bis 13. Jahrhundert von Polynesien mit ihren Booten über den Pazifik und besiedelten in Isolation Neuseeland. Die Maoris sind stolze Krieger aber die ganze Ureinwohner Bevölkerung wurden durch der Besiedlung der Europäer im 17. Jahrhundert schwer geschädigt und teilweise zerstört. Erst im 20. Jahrhundert haben sich die Maoris wieder erholt und heute koexistieren die verschiedenen Kulturen friedlich miteinander. Hier haben wir auch die Gelegenheit ein sehr heißes Bad in einer natürlichen heißen Quelle zu nehmen.

Whakarewarewa, Maori Tanz, Nordinsel
Whakarewarewa, Maori Krieger, Nordinsel

Besteigung des Ruapehu Vulkans

Ruapehu Vulkan, Tongariro Nat. Park, Nordinsel
Umpacken für Ruapehu Besteigung, Nordinsel
Aufstieg zum Kraterrand des Ruapehu, Nordinsel

Von hier geht es zum Lake Taupo, dem größten See der Nordinsel mit einem atemberaubend Ausblick auf die Tongairo Vulkane. Hier entscheiden wir Neuseelands höchsten Vulkan, den teilweise vergletscherten Mount Ruapehu 2.792 Meter, zu besteigen. Diese Bergtour soll für uns eine Vorbereitung für ein größeres Unterfangen dienen, die Besteigung des Aoraki oder Mount Cook 3.724 m auf der Südinsel. Am Whakapapa Visitor Center lassen wir unsere Räder stehen und steigen hinauf auf den Ruapehu Vulkan. Die Aussicht inmitten des Tongariro Nationalparks auf die Nachbarvulkane Ngauruhoe und Tongariro ist überwältigend. Drei volle Tage und zwei Nächte bleiben wir auf dem Gipfel und besteigen der Reihe nach die einzelnen Nebengipfel und den Hauptgipfel Tahurangi. Wir trainieren auf den Eisfeldern mit unseren Steigeisen und übernachten im Schlafsack in einer kleinen Notfallhütte auf dem Gipfelplateau. Der Nachthimmel ist kaum in Worte zu fassen, scheinbar Millionen von Sterne zieren das Himmelszelt. Auch ein Tiefblick in den säurehaltigen Kratersee bleibt unvergessen.

Ausblick vom Ruapehu Gipfel Plateau zum Ngaurohoe Vulkan
Blick vom Tahurangi Hauptgipfel über den Ruapehu Krater
Seltene Linsenwolke, Gipfel Mt. Ruapehu Vulkan, Nordinsel
Training im Eis mit neuen Steigeisen, Gletscher Ruapehu Vulkan

Seebären hautnah

Auf dem Weg nach Wellington sehe ich nur noch Farmlandschaften, über hunderte Kilometer nur noch baumlose, grasbewachsene Hügel. Ein etwas trauriger Anblick und auch ein Rückblick in der Zeit, wie sehr die europäischen Einwanderer Neuseeland verändert und teilweise zerstört haben. In Wellingtons Nationalmuseum Te Papa Tongarewa können wir einen guten Eindruck über die naturhistorische und kulturelle Vergangenheit und Gegenwart Neuseelands bekommen. Von hier nehmen wir auch die Fähre auf die Südinsel nach Picton wo wir gleich nach unserer Ankunft in der Nähe des Strandes campen. Dort tauchen wir nach Muscheln und Abalone Meer-Ohren Schnecken, welche wir uns auf unseren Kochern zubereiten. Speziell Abalone oder in der Maori Sprache „Paua“ genannt, sind nicht leicht zu finden und nur mit einer Tageslizenz und Tageslimit zu fischen. Da wir eine ABC Tauchausrüstung dabei haben, tauchen wir einige wenige selbst, um die Delikatesse zu probieren. Unser Weg führt uns weiter immer an der Küste entlang nach Kaikoura. Am Strand in der Nähe von Kaikoura befindet sich eine große Kolonie von Seebären. Hier am „Ohau Point“ liegen sie überall auf den Felsblöcken in der Sonne, um sich aufzuwärmen. Dann springen wir in den kalten Pazifik mit Maske, Schnorchel und Flossen und beobachten die friedlichen Tiere unter Wasser. Sie kommen uns sehr Nahe und wir konnten sie fast berühren. Es ist wirklich beeindruckend zu sehen wie neugierig und wendig sie unter Wasser sind, dagegen aber schwerfällig und aggressiv an Land. Von Kaikoura fahren wir über Christchurch durch endlose Graslandschaften zum Lake Tekapo und weiter zum Lake Pukaki. Unser Ziel sind die Neuseeländischen Alpen der Südinsel.

Landschaft Südinsel, Neuseeland
Auf dem Weg zum Mount Cook, Südinsel
Aoraki 3724 m, Höchster Berg Neuseelands, Südinsel

Starker Wind fegt uns ins Gesicht auf dem Weg ins Dorf Mount Cook, dem Ausgangspunkt zu vielen Attraktionen hier im Mount Cook National Park. Wir sind sehr angespannt, denn wir haben geplant die Mount Cook zu besteigen. An diesem stark vergletscherten Berg hat auch schon Edmund Hillary, Erstbesteiger des Mount Everest, trainiert. Ich bin sehr beeindruckt vom gewaltigen Anblick Neuseelands höchsten Gipfels. Nach stundenlanger Packerei lassen wir unsere Fahrräder im Dorf zurück und machen uns mit circa 30 Kilogramm schweren Rucksäcken auf dem Weg zur Bergbesteigung. Stundenlang steigen wir über das Geröll der Tasman Gletscher Moräne. Gewaltige Gesteinsschuttberge wurden hier vom Gletscher geschoben und aufgetürmt. Später dann sind wir im Anstieg der steilen „Haast Ridge“ hinauf zur „Haast Hütte“, wo wir allein die Nacht verbringen. Diese Route ist eine echte Herausforderung mit steilen erodierten Abschnitten die es zu überwinden gilt. Vor unseren Augen baut sich der wild zerrissene „Hochstetter Eisfall“ und die gewaltige Ostwand des Aoraki auf. Am nächsten Morgen ist die Route auf das große Plateau durch eine Eisspalte blockiert. Wir seilen uns etwas hinab und klettern auf der anderen Seite die Eiswand hinauf, bis wir das große Plateau mit der Bergschutzhütte auf 2210 m Höhe erreichen. Allein nur hierher zu kommen, war schon ein echtes Abenteuer und wir wundern uns wirklich sehr, wieso hier keine anderen Bergsteiger auf der Hütte sind. Wir finden ein Funkgerät und rufen unten im Alpin Zentrum des Mount Cook Dorfes an und fragen nach. Die Zuständigen der Parkbehörde erzählen uns, dass wir außerhalb der Saison am Berg sind und das wir bei der Besteigung äußerst vorsichtig sein sollen. Unser Plan ist es über die „Zurbriggen Route“ auf den Gipfel zu steigen.

Tasman Gletscher Moräne, Südinsel
Auf dem Weg zur Haast Ridge, Südinsel
Kletterei auf der Haast Ridge, Mount Cook National Park, Südinsel
Plateau Hütte, Grand Plateau 2.210 m, Basislager am Mount Cook
Blick aus der Mt. Cook Hütte zum Gipfel, Mount Cook

26 Stunden ohne Pause im Eis

An der Basis der Ostwand, Zurbriggen Route, Mt. Cook
Auf dem Weg zur Besteigung über Zurbriggen Route, Mt. Cook

Morgen um 4 Uhr geht es nun los, wir haben alles wichtige eingepackt in unsere Rucksäcke und angeseilt traversieren wir das große Plateau mit bedingtem Blick auf den „Hochstetter Eisfall“ im Morgengrauen. Dann wird es erst als wir einige Gletscher Spalten umgehen und auf seht steilem Anstieg den Einstieg in die „Zurbriggen Route“ finden. Von nun an ging es Stunden um Stunde im Mix Gelände über brüchigen Fels und messerscharfen Eisgraden immer bergauf. Da wir uns intensiv mit Eisschrauben und Klemmkeilen sichern, dauert unser Aufstieg viel zu lang, sodass wir nicht mehr auf die Zeit achten. Abends um 18 Uhr waren wir immer noch nicht auf dem Gipfel. Somit müssen wir unterhalb der „Summit-Rocks“ den Gipfelsieg aufgeben.

Unterhalb der Summit Rocks, Mt. Cook Gipfelregion
Höchster erreichter Punkt am Mt. Cook, Unterhalb Summit Rocks, Zurbriggen Route
Blick zu Mount Tasman von Mount Cook
Tiefblick in den Linda Eisfall, Mount Cook Gipfel Region

Kurz wägen wir ab ein Biwak einzurichten, verwerfen aber diese Variante. Somit verlassen wir die Zurbriggen Route und steigen über das „Linda-Shelf“ in den Lind Gletscher ein. Wir traversieren schnell unterhalb der „Gun-Barrels“, Gletscher Rinnen in denen immer wieder Lawinen abgehen. Nun bekommen wir die Schwierigkeiten am Berg außerhalb der Saison mit voller Härte zu spüren. Wir verirren uns in dem riesigen Spaltenlabyrinth des Linda Gletschers, mit Spalten von bodenloser Tiefer und mehreren hundert Metern Länge. Im Zickzack suchen wir verzweifelt den Weg heraus aus dem Irrgarten der Spalten und kommen immer wieder an eine Barriere. Wir seilen uns mehrere Meter in eine Gletscherspalte ab und traversieren auf einer Eisbrücke damit wir auf der anderen Seite die Spalte wider erklimmen können. Von dort stiegen wir steil wieder hinauf, um das Spaltenmeer zu umgehen. Mitten in der Nacht irren wir an den steilen Flanken der „Teichelmanns Corner“ umher und suchen einen Weg hinunter zum Plateau Hut. Nach 26 Stunden ohne Pause geben wir erst einmal auf und verkriechen wir uns in einer Felsspalte und harren dort aus, bis die Sonne aufgeht. Nach einigen Stunden wurde es hell, die wärmenden Sonnenstrahlen waren herrlich. Wir schauten wie von einem Balkon hinunter zum Gran Plateau und durch eine Felswand fanden wir endlich den Weg hinab zum „Plateau Hut“. Heilfroh kommen wir total ausgepowert unten an. Nach einem weiteren Tag erreichen wir wieder über die Hasst Ridge und den Tasman Gletscher das Mount Cook Dorf. Es war bis dahin die wohl anstrengendste und gefährlichste Bergbesteigung aber die lehrreichste.

Total fertig nach Biwak in Felspalte am Berg, Abstieg vom Mt. Cook
Allein in der Hütte, Grand Plateau, Mount Cook
Auf dem Grand Plateau mit Mount Cook
Mount Cook im Abendlicht
wild zerissener Hochstetter Eisfall, Mount Cook Massiv
Auf dem Rückweg vom Mt. Cook am lake Pukaki

Der Gott des Waldes

Noch lange dachten wir über diese hammerharte Bergtour nach, während wir schon wieder im Sattel unserer Räder. Auf der Nordinsel angekommen, schlagen wir eine andere Route in Richtung Kerikeri. Wir erreichten die uralten Kauri-Wälder im „Waipoua Forest“, einem der ursprünglichsten Waldgebiete der Nordinsel. Wir halten an der Straße an und nach wenigen Minuten zu Fuß erreichen wir den „Tane Mahuta“ oder auch „Herr des Waldes“ genannt. Dieser Baum ist wirklich beeindruckend mit seinen knapp 14 Metern Stammumfang und über 50 Metern Höhe. Der Baum soll um die 2000 Jahre alt sein. Auf einer idyllischen Straße fahren wir in wenigen Stunden durch den Kauriwald und ich stelle mir vor, wie riesig der Wald einst gewesen sein muss. Später kehren wir zurück nach Kerikeri um weitere Monate zu arbeiten. Jetzt müssen wir das Geld für unsere Rückreise nach Deutschland verdienen. Nach langen Diskussionen entscheiden wir weder nach Süd-Amerika noch direkt nach Hause zu fliegen. Wir wollen an unseren Startpunkt nach Pakistan zurück kehren um von dort über Land mit unseren Rädern nach Deutschland zu fahren. Das Abenteuer geht also weiter.

bildgewaltiger Sonnenuntergang Nordinsel Neuseeland
Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.