Malaysia, Singapur und Indonesien Malaysia 1999

Südostasien ist ein Schmelztiegel der Kulturen

Palm Öl Plantage, West-Malaysia
Auf der Autobahn in Kuala Lumpur

Mit dem Fahrrad auf der Autobahn nach Kuala Lumpur

Als die Fähre von Sumatra wider in Penang, Malaysia angekommen ist, verlassen wir sofort Georgetown und fahren auf modernen Straßen in die bekannten „Cameroon Highlands“. Steil führt die Straße hinauf in die Berge und weiter oben wird es angenehm kühl. Für den Tourismus ist hier so gut wie alles entwickelt und der Abenteuerfaktor hält sich in Grenzen. Dafür ist die Gegend sehr schön, auf dem Basar gibt es sogar reichlich Erdbeeren und die Region ist sehr bekannt für den guten grünen und schwarzen Tee. Hier unternehmen wir eine interessante Trekkingtour in den temperierten Berg-Regenwald der Umgebung, wo die Bäume und auch der Waldboden mit dicken Moosen bewachsen ist. Die „Cameroon Highlands“ waren definitiv einen Besuch wert. Der Kontrast unserer Reise ist wirklich nicht so leicht zu verdauen, darüber denke ich nach als wir mit unseren Fahrrädern auf der Autobahn der Hauptstadt Kuala Lumpur entgegen fahren. Die Petronas Wolkenkratzer, die höchsten Zwillingsgebäude der Welt, sind schon von der Ferne weit sichtbar. In der Stadt selbst fühlen wir uns nur kurze Zeit wohl, zu viel Beton, Spiegel-Glasfassaden, tausende Geschäfte und Trubel in den Straßen. Allerdings ist die Stadt vorbildlich sauber und auch „China Town“ war wirklich eine besondere Abwechslung. Darüber hinaus gibt es auch gute Fahrradgeschäfte, wo wir das eine oder andere Ersatzteil finden. Wenn man Wochenlang nur auf dem Lande unterwegs ist, dann ist es jedes mal ein kleiner Kulturschock in den großen asiatischen Megastädten.

Über eine Brücke fahren wir von Johor Baru hinüber nach Singapore. Von einer großen Stadt in die nächste Weltmetropole. Erst geht es kurz durch etwas Natur der Insel Singapore, bevor wir die eigentliche Stadt Singapore hineinfahren und in einem kleinen „Backpacker“ unterkommen. Hier treffen wir sofort auf sämtliche Nationen aus aller Welt, speziell im Finanzcenter des Stadtstaates. Hier buchen wir uns einen kurzen Flug zurück nach Indonesien, direkt nach Jakarta. Wir wollen die indonesischen Inseln Java, Bali und Lombok durchqueren.  Noch einmal schlendern wir mal ohne Rad durch die „Orchard Road“, die bekannteste Einkaufstraße von Südostasien, ein absoluter Shopping-Wahnsinn, die materielle Welt hat hier die Oberhand.

Zurück nach Indonesien

Hauptstadt Jakarta, Insel Java

Megastädte, rauchende Vulkane und uralte Tempel auf Java

Auf Indonesien freue ich mich schon sehr, denn Java kenne ich schon sehr gut von einer 2000 Kilometer weiten Radtour um die Insel, die ich ganz allein unternahm, ein paar Jahre zuvor. In Jakarta, der Hauptstadt von Indonesien, finden wir uns in einem noch größeren Trubel wieder, viel chaotischer als Singapore und weitaus mehr Menschenmassen. Die Jaksa Straße ist das Zentrum für Rucksackreisende und eben Weltreisende wie uns. Ein paar Tage schauen wir uns in Jakarta um, denn es gibt eine Menge zu sehen, darunter der schöne Sunda Kelapa Hafen mit den vielen Pinisi Lastensegelschiffen. Un vom Nationalmonument „Monas“ hatten wir einen beeindruckenden Ausblick auf die riesige Stadt Jakarta mit circa 10 Millionen Einwohnern. Wir wissen schon jetzt, dass die Fahrt mit dem Fahrrad auf den Straßen der Insel Java sehr gefährlich sein kann. Der Verkehr ist einfach zu dicht mit vielen LKW und Bussen, die herum rasen als wäre der letzte Tag angebrochen, auf den viel zu engen Landstraßen.

Monas Monument - Jakarta
Freundliche Menschen in Indonesien

Alte Tempel auf wolkenverhangenen Hochplateaus

Indonesien ist inselreichster Staat der Erde und hier leben die meisten Muslime in einem Land, mit über 250.000 Einwohnern. Davon befinden sich circa 100.000 Millionen Menschen auf Java allein. Dennoch gibt es noch viele Einsame und ruhige Ecken. Nach nur 50 Kilometern kommen wir schon in Bogor an, der Stadt mit einem ganz besonderen botanischen Garten. Her wächst der Titanenwurz oder Kesselfallenblume, die wirklich größte Blume der Erde mit bis zu 3 Meter Höhe. Sie blüht aber leider nur alle 5 bis 10 Jahre, für nur 3 Tage. Ab Bogor fahren wir durch die Vulkanlandschaften, Teeplantage, über hohe Pässe uns Wälder mit heißen Quellen. Im dampfenden zischenden Papandayan Vulkan, südlich von Bandung, finden wir heise Quellen und sogar einen heisen Fluss, der sich von der Gipfelcaldera ergießt. Hier können wir uns in verschiedenen Becken mit unterschiedlichen Temperaturen ein Thermalbad aussuchen. Von der malerischen Südküste geht es fortan auf endlosen steilen Straßen hinauf in das bekannte Dieng-Plateau, auf 2000 Meter Höhe. Hier oben auf der wolkenverhangenen Hochebene verstecken sich viele uralte Hinduh-Tempel aus dem 8. Jahrhundert und zeugen vom einstigen Glanz einer anderen Kultur. Auch hier gibt es viele Schlammgeysire und heiße Quellen. Allerdings bin ich sehr schockiert, wie flächendeckend die damaligen wunderbaren Waldlandschaften zerstört wurden. Nun gibt es hier nur noch Gemüsefelder und kahle Flächen. Das kleine Dörfchen Dieng ist sehr gemütlich und das tägliche Leben hier ist einen Schritt langsamer. Von hier oben haben wir einen  guten Überblick auf die Nachbarvulkane, alle weit über 3000 Meter hoch. Wir entscheiden kurzerhand, den 3.152 m formschönen Vulkan Sunduro zu besteigen. Auf dem Gipfel, auf dem wir eine Nacht bleiben, entdecken wir Tonnen an Müll. Welch ein Drama, wir fangen an den Müll zusammenzutragen aber nach 2 Stunden begreifen wir, dass es unmöglich für uns ist, den massiven Berg Plastikmüll zu bewegen. Die Aussicht von oben ist beeindruckend, besonders auf einige Nachbarvulkane von Zentral-Java. Hier oben kam uns dann die Idee auch noch den aktiven Stratovulkan Semeru in Ost-Java zu besteigen.

Blick von Gipfel Sinduro Vulkan 3.150 m auf Nachbar-Vulkane, Zentral-Java

Große Baukunst auf Java

Vorher fahren wir aber noch zu den zwei bekanntesten historischen Tempeln der Insel in der Nähe der Stadt Yogyakarta. Der Borobudur, am Fuße des Merapi Feuerberges, ist die größte buddhistische Tempelpyramide der Welt, errichtet aus hunderttausenden Basaltsteinen fein mit Fresken bestückt. Im Uhrzeigersinn laufen wir beeindruckende Stunden auf nach oben kleiner werdenden Etagen um den Tempel. Vor unseren Augen läuft die buddhistische Lebensphilosophie und Erkenntnis ab. Unweit vom Borobudur befindet sich der hinduistische Prambanan Tempelkomplex bestehend aus unzähligen Einzeltempeln, welche stark beschädigt sind. Es ist kaum zu glauben, was die damaligen Baumeister geschaffen haben. Indonesien befindet sich direkt am Pazifischen Feuerring, deshalb gibt es regelmäßig Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche. Immer wieder wurden die Tempelstätten durch solche Events beschädigt oder zerstört. Danach geht es in die Ost-Javanische Stadt Malang, dem Ausgangspunkt unseres nächsten Abenteuers. Es soll auf den Gipfel einer der gefährlichsten Vulkane Indonesiens gehen.

Borobudur Tempel in Java
Obere Plattform, Borobudur Tempel, Zentral-Java, Indonesien
Sonnenuntergang, Borobudur Tempel, Zentral-Java, Indonesien

Der Thron der Götter

Am nächsten Morgen starten wir für unsere Besteigung in Malang mit zwei Indonesiern, welche uns mit Motorrädern auf die große Caldera des gesamten „Bromo-Tengger-Semeru“ Massivs bringen. Auf 2.500 Meter Höhe werfen wir einen ersten Blick auf den weltbekannten „Bromo“ Vulkan auf dem große Opferfeste gefeiert werden und rauchend im Hintergrund sehen wir unser Ziel, den „Semeru“ oder „Thron der Götter“. Am Startpunkt werden wir abgeladen und später laufen wir mit unseren schwer beladenen Rucksäcken durch Asche bedeckte Landschaften auf extrem engen Pfaden. Die Umgebung wirkt wie eine untergegangene Welt, wo das Leben ums überleben kämpft. Auf einmal gehen wir durch ein schwarzes Sandmeer und kurz danach kommen wir am Bace Camp an, wo sich viele Gedenktafeln befinden. Noch in der Nacht geht es zum Gipfel auf steilen Anstiegen, an tiefen Rinnen und Spalten, vorüber, ausgespült vom Regen. Der Wind pfeift heulend durch die langen Nadeln der Kasuarinen Bäume. Nach einem stundenlangen schweißtreibenden Aufstieg kommen wir durch aufgelockerten Wolken auf dem Gipfel des Semeru in 3.676 m Höhe an. Um meinen Schatten in den Wolken ist ein kurioser 360° Regenbogen zu sehen, was für ein Schauspiel. Die Wolken ziehen etwas vorüber und auf einmal gibt es eine mächtige Explosion aus dem aktiven Krater vor uns. Eine sehr giftige und heiße Aschewolke expandiert in rasender Geschwindigkeit über uns hinweg und zieht glücklicherweise langsam nach Süden ab. Alle 20 Minuten gibt es dieses Schauspiel einer Gas-Asche Eruption dieses gefährlichen und aktiven Stratovulkans. Jetzt verstehe ich auch, warum so viele Menschen an diesem Berg ums Leben kamen. Die Eruptionen und die Windrichtung sind einfach nicht kalkulierbar.

Verborgene Schönheit auf der Insel Lombok

Wir kommen auf die Idee, gemeinsam noch einen weiteren Berg zu erklimmen, den zweithöchsten Vulkan Indonesiens, den Rinjiani 3.726 Meter, auf der Insel Lombok. Auf diese Tour freue ich mich ganz besonders, mit unserem Besuch aus Deutschland.

Blick in die Rinjiani Caldera mit dem Segara Anak

Mit der nächsten Fähre geht es innerhalb von 4 Stunden Fahrt nach Lombok und mit einem Jeep bis zum Ausgangspunkt der Tour, dem Dörfchen Sembalun Lawang, wo wir die erste Nacht verbringen. Am Morgen geht es durch wunderbare Graslandschaften hinauf zum Rim II, dem unteren Kraterrand wo sich auch das Basislager für den Gipfel befindet. Meine Mutter und Ihre Bekannte schlagen sich wacker nach solch einem anstrengenden Aufstieg.

Blick in Richtung Rinjiani Gipfel, Lombok

Aber die atemberaubende Aussicht von hier oben heilt jede Anstrengung. Am nächsten Morgen steigen wir allein ohne unsere Begleiterinnen zum Hauptgipfel des Rinjiani. Diese Gipfel hält eine hammerharte Aussicht bereit mit einem 2000 Meter Tiefblick in den Krater und knapp 4000 m tiefer hinunter zur Küste. Bei wolkenfreien Himmel kann ich die ganze Umgebung gut erkennen, hier oben ist es so friedlich.

Zauberhafter Weitblick, Rinjiani Gipfel 3.726 m
Steiler Abstieg auf losen Geröll, Rinjiani Vulkan, Lombok

Am nächsten Tag durchsteigen wir die riesige Caldera des einst über 5000 Meter hohen Vulkans. Es geht sehr steil hinunter bis zum See „Segara Anak“ und auf der anderen Seite beschwerlich wieder hinauf zum Kraterrand bis zum Rim I, einem weiteren Basislager. Von hier haben wir einen fantastischen Ausblick auf den Gipfel und sehen sogar in der Distanz den Agung Vulkan auf der Insel Bali.

Blick von Camp I Rinjiani Richtung Bali im Sonnen-Untergang
wunderbarer Primär-Regenwald im Abstieg nach Senaru, Lombok
Tagfalter im Rinjiani National Park, Lombok

Viel zu schnell vergeht unsere schöne Zeit mit unseren Begleiterinnen. Am Abend unserer Rückkehr in Bali schauen wir uns noch einige traditionelle Tänze wie den Legong und den Kecak an. Hier geraten die Männer sogar in Trance und laufen über glühend heiße Kokosschalen. Bald nehmen wir Abschied von unseren Besuchern und besonders mir fällt es schwer, meine Mutter gehen zu lassen, da ich weiß, wie lange ein Wiedersehen noch dauern wird. Aber auch wir müssen nun nach über 2 Jahren in Asien Abschied nehmen, denn wir freuen uns endlich auf den so lang ersehnten Kontinent Australien.

Dämon, Legong Tanz, Bali
Kecak, Affen-Tanz zur Huldigung Hanumans, Tanz Bali
Tagfalter im Rinjiani National Park, Lombok
Kecak Tanz, In Trance mit nackten Füßen über ein Feuer

Wenn wir Mal fliegen müssen, ist es für uns immer mit großen Bedenken verbunden, ob wir die Masse an Übergepäck beim Check-In überhaupt mitnehmen können. Die Räder kosten extra, circa 100 Euro und sie müssen für den Flug vorbereitet werden: Sattel runter, Pedalen ab, Luft raus und Lenker parallel zum Rahmen drehen. Kein Problem für uns. Manche Airlines wollen die Räder auch komplett eingepackt haben, in Kartons oder speziell vorgesehene Fahrrad Transporttaschen.

Mit dem Flieger geht es nun endlich mit unseren 60 Kilogramm Ausrüstung pro Person plus die Räder in circa 2 Stunden von Bali nach Darwin, Northern Territory, Australien.

Bali – Die Inseln der Götter und Dämonen

Von Banyuwangi aus, dem östlichen Ende der Insel Java, setzen wir mit der Fähre nach Bali über, auf die Insel der Götter und Dämonen. Indonesien ist ein Vielvölkerstaat mit unzähligen Kulturen und verschiedenen Völkern. Bald bekommen wir wider Besuch aus Deutschland. Diesmal kommt meine Mutter mit einer Freundin aus Deutschland und ich freue mich schon riesig. Wir holen sie vom Flughafen ab und kommen gemeinsam im schönen Fischerdorf Padangbai in Ost-Bali unter. Meine Mutter hatte ich circa 2 Jahre nicht mehr gesehen, dementsprechend groß war die Wiedersehensfreude. In den nächsten Tagen haben wir auch Mal kurz Pause und nehmen uns die Zeit viel Neuigkeiten auszutauschen. Natürlich unternehmen wir auch Touren in der Umgebung. Es gibt hier wunderbare Korallenriffe, zum Beipsiel in der „Blauen Lagune“ schnorcheln wir wie in einem Aquarium.

Reisterassen, Bergland, Bali, Indonesien
Pura Ulun Danu Tempel im Beratan See, Indonesien
Pura Besakih, Mutter aller hinduistischen Tempel in Bali
Hinduistische Zeremonie, Bali, Indonesien
Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.