Iran – Die heißeste Wüste der Welt und die Perle Persiens Iran 2000

Kurz hinter der Grenze von Pakistan, Iran

Tausende Kilometer Wüste

Nachdem wir gerade 5 Minuten im Iran waren, halten wir kurz nach der Grenze an einem Shop an, um etwas zu kaufen. Als wir aus dem Laden kamen, waren unsere Fahrradcomputer von den Rädern montiert und geklaut. So fuhren wir ohne sie hinaus in die Wüste. Vor uns liegen tausende Kilometer Hitze und Sand. Die Straßen im Iran sind wunderbar und wir kommen gut voran. Wir versuchen so schnell es geht die Region Belutschistan zu verlassen. Wir lassen schnell Zahedan hinter uns. Nicht ganz einfach ist der Wassertransport für uns. Mindestens 10 Liter transportieren wir jeder auf unseren Rädern und es reicht nicht. Vor uns befindet sich eine der heißesten Wüsten der Erde, die Dasht-e-Lut. Wir haben hier Tagestemperaturen um die 50 °C im Schatten und der Fahrtwind ist heiß wie die Heißluft eines Föns. Aber es ist eine trockene Hitze und deshalb recht gut auszuhalten. Ab und zu halten wir in kleinen Oasen an, wo wir Pistazien und vor allem Datteln bekommen. Die Nächte verbringen wir in uralten Lehm-Türmen in der Nähe der Straße in unseren Schlafsäcken auf der Isomatte.

Dascht-e Lut Wüste, südöstlicher Iran
Die Straße durch die Dascht-e Lut Wüste, südöstlicher Iran

In Kerman war ich geschockt

Der Iran ist ein streng sunnitisch islamischer Staat und es gibt eine Kleiderordnung. Als Radfahrer hatte ich nur drei viertel lange Hosen an, weil es unglaublich heiß war. Nur ein bisschen nackter Körper schaute heraus und als wir auf dem Bazar in Kerman unterwegs waren, versuchte mir ein Moslem meine Hosen herunterzuziehen. Gerade noch konnte ich sie festhalten. Nach diesem Zwischenfall war ich mir nicht bewusst, dass es mit meiner Fahrradbekleidung zu tun hatte. Auf der Straße flogen uns aus einem Bus in voller Fahrt riesige Granatäpfel entgegen. Sie schlugen überall schmerzvoll ein, auf unserem Körper und im Fahrrad. Danach achteten wir darauf, nie ohne lange Bekleidung in die Öffentlichkeit zu gehen. In der Stadt Kerman wurden wir dann von einem Mann eingeladen, der in Deutschland studierte und auch etwas Deutsch sprach. Wir durften im Schlafsack auf seiner Terrasse schlafen, nachdem er uns stolz sein internationales Fernsehprogramm präsentiert hatte. Am nächsten Morgen wollte er 20 Dollar pro Person von uns als Lohn. Es war führ mich nicht zu verstehen, warum wir solche Zwischenfälle anzogen, in einem Land, welches als eines der gastfreundlichsten Länder der Welt gilt.

Gute Übernachtungsmöglichkeiten am Weg, Wüste, Iran
In einer Oase in der Wüste, Iran

Die Perle Persiens

Scheich-Lotfollāh-Moschee, Isfahan, Iran
Dach der Scheich-Lotfollāh-Moschee, Isfahan, Iran
Dach der Scheich-Lotfollāh-Moschee, Isfahan, Iran
Imam, Moschee, Isfahan, Iran
Qeysarie Bazaar, Isfahan, Iran
Handarbeiten im Qeysarie Bazaar, Isfahan, Iran

Die große Stadt Yazd lassen wir ohne großen Aufenthalt hinter uns. Unser Ziel nach mehr als 1.500 Kilometern Wüste, ist eine der schönsten Städte im Iran, Isfahan oder die Perle Persiens. Diese Stadt einzigartig mit dem großen Imam Platz Naqsch-e-Dschahān oder der Scheich-Lotfollāh-Moschee. Hier besuchen wir auch die Imam Moschee aus dem 17. Jahrhundert, die über und über mit bläulichen Mosaik Fliesen und Kalligrafie bedeckt ist. Der alte Qeysarie Bazar ist äußerst interessant. Dort werden viele Kupfer, Silber und Goldarbeiten traditionell hergestellt. Die ganze Stadt hat eine tausende Jahre alte Geschichte. In den Gärten sind viele Wasserbecken und Brunnen, ein wahrhaftiger Kontrast zur Staubtrockenen Wüste. Wenn ich so durch die Gassen laufe, höre ich das uralte Geflüster dieser persischen Stadt in meinen Ohren. Hier gefällt es mir besonders gut und wir sind nun froh, dass wir im Iran unterwegs sind. Nach einigen erholsamen Tagen sowie die Generaldurchsicht unserer Fahrräder verlassen wir die Stadt in Richtung Norden um nach Teheran zu fahren. Das dauert einige Tage bevor wir die riesige Hauptstadt des Iran erreicht haben. Hier bleiben wir auch und fahren gleich weiter nach Norden. Denn direkt hinter der Stadt erhebt sich das mächtige Elburs Gebirge

Landschaft auf dem Weg nach Teheran, Iran
Blick ins Elburs Gebirge, Iran

Der höchste Vulkan des asiatischen Kontinents

Damavand Vulkan 5.671 m, Iran
Dorf Rineh, Damavand Vulkan, Elburs Gebirge, Iran
Damavand von Bergdorf Rineh aus gesehen, Iran
Im Anstieg zu Lager 1, Damavand, Iran

Ohne Atempause steigt die Straße an hinauf in die Berge. Ganz langsam wird es etwas spärlich grüner, ein wirklich erfrischender Anblick. Als wir um eine Kurve fahren, falle ich fast vom Rad. Vor uns türmt sich der höchste Vulkan des asiatischen Kontinents auf, der 5,671 m hohe und zugeschneite Damavand. Das war ein wirklich königlicher Anblick und sofort hatten wir uns in den Berg verliebt. Wir wussten gar nichts über den Berg, da wir eigentlich nur über das Gebirge fahren wollten, um zum Kaspischen Meer zu gelangen. Nun halten wir Kurs auf den Berg bis in das kleine Bergdorf Rineh. Dort melden wir uns bei der örtlichen Bergbehörde an und bekommen einige Tipps von einem lokalen Bergführer sowie eine topografische Karte. Nach einer Nacht in Rineh lassen wir unsere Räder stehen und schwer bepackt machen wir uns auf, den erhabenen Vulkan zu besteigen. Es geht durch Graslandschaften zu Fuß steil bergauf, bis wir irgendwann Lager schlagen.

Damavand Bargah Sevom Camp 3, Damavand Vulkan, Iran
Blick ins Zelt bei -20 °C, Damavand, Iran
Hochlager III 5.000 m, Damavand, Iran
Unterhalb Gipfel Damavand Vulkan, Iran
Gipfel höchster Vulkan Asiens, 5.671 m, Damavand, Iran

Wir müssen uns hier durch die Höhe an unseren Akklimatisation-plan halten und steigen nicht mehr als etwas über 1000 Meter pro Tag höher. Am dritten Tag erreichen wir den Bargah Sevom Old Shelter 4.220 m. Hier drinnen sind wir gut Windgeschützt, denn die Temperaturen stürzen Nachts rapide in den Keller. Am nächsten Morgen starten wir mit unserem gesamten Gepäck um ein vorgeschobenes Hochlager zu errichten. Diese High Camp bauen wir auf 5000 Metern Höhe auf. Kaum ist es dunkel geworden, sehen wir das millionenfache Lichtermeer der Stadt Teheran in ungefähr 60 Kilometer Luftlinie Entfernung und einen kristallklaren Sternenhimmel. Früh Morgens um 4 Uhr in einer Eiseskälte von -20 °C, laut unserer Temperaturanzeige starten wir zum Gipfel. Dabei denke ich noch nach, über die extremen Temperaturunterschiede im Iran. In der Lut Wüste sind es bis zu 60 °C und hier am Damavand -20 °C. Nach einem stundenlangen Kampf im hüfttiefen Schnee, erreichen wir den Gipfel und genießen ein fantastisches Panorama. In südlicher Richtung blicken wir weit in die Wüste und in nördlicher Richtung ist das Kaspische Meer unter der Wolkendecke nur zu erahnen. Wieder unten angekommen schmerzen unsere Beine so sehr, dass wir noch in den heißen Quellen von Larijan ein Bad nehmen. Kurz danach gibt es weitere Überraschungen.

Straße zum Kaspischen Meer, Elburs Gebirge, Iran
Ausgedehnte Wälder, Nordseite Elburz Gebirge, Iran

Das Kaspische Meer

Fischer holen die Netze ein, Iran
Reichhaltiger Fang am kaspischen Meer, Iran
Unterwegs im Regen am Kaspischen Meer, Iran

Vor uns liegt eine knapp 100 Kilometer lange Abfahrt hinunter zum kaspischen Meer. Nach einer Weile fahren wir wie durch einen Zaubervorhang, vom trockenen heißen Wüstenklima, hinein in das Feuchte temperierte Klima des Kaspischen Meeres. Wir sind in einer Wetterscheide von einer wüstenartigen Region hinein in wunderschöne Waldlandschaften mit vielen Eichen. Wir jagen durch die Kurven bergab, stundenlang, bis wir irgendwann im Regen das Kaspische Meer erreichen. Es befindet sich -28 unter dem Meeresspiegel und die Heimat des bis zu 9 Meter langen und bis zu 2 Tonnen schweren Beluga-Störs. Hier werden wir von den Kaspischen Fischer eingeladen und übernachten in einer Fischerhütte. Es regnet pausenlos wie aus Eimern und all unsere Sachen in unseren Taschen sind komplett durchgeweicht. Somit treffen wir die Entscheidung wieder über das Elburs Gebirge zurück in die Wüste zu fahren. Auf einsamer Piste geht es wieder über das Gebirge und bald schon haben wir den Regen hinter uns gelassen. An einer Schule werden wir noch von 10 bis 15 Kindern mit großen Steinen beworfen. Wir halten sofort an um die Lehrer zur Rede zu stellen und wollten wissen, warum so etwas geschieht. Wir konnten sie aber nicht verstehen und so fuhren wir weiter bis nach Bazargan, die Grenze zur Türkei. Nach über 2.700 Kilometern haben wir den Iran durchquert und waren positiv überrascht von diesem wunderbaren Land. So fahren wir nach Dogubayazit, dem türkischen Teil Kurdistans.

Schlafplatz unter der Brücke, Wüste Iran
Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.