Auf den Spuren des Vietnam Krieges Vietnam

Vietnam im Wandel der Zeit

Harte Arbeit auf Vietnams Reisfeldern

Unsere Fahrt ging Richtung Süden nach Hanoi und von dort weiter in die schöne Halong Bucht. Schon früh bemerkte ich, dass die Behörden-Systeme ähnlich waren wie in China und auch hier fühlte ich mich etwas in die ehemalige DDR zurück versetzt. Hier war alles nur viel tropischer als in China und die Fahrt auf dem Fahrrad war eine schweißtreibende Angelegenheit. Mit der Fähre setzten wir von Hai Phong auf die Cat Ba Insel in der Halong Bucht über. Diese Insel war ein Paradies mit den dichten Regenwäldern, schönen Landschaften, mit idyllischen Straßen und einem Nationalpark. Aber auch diverse Kalkstein-Höhlen waren interessant, welche im WW2 als Schutzbunker dienten. Wir fuhren zur Nationalpark Verwaltung um eine Trekking Tour im Nationalpark zu unternehmen. Seit Monaten sind wir endlich einmal wieder zu Fuß unterwegs, eine wahre Erholung. Dabei entdeckten wir allerlei Tiere des Waldes, darunter giftige Skolopender (Hunderfüßer) und Schlangen. Die Zikaden gaben ein ständiges Konzert während wir zum Ech-Lake wanderten, um dort eine Nacht im Zelt zu verweilen. Die Geräuschkulisse in der Dunkelheit war magisch und gern wären wir viel länger hier geblieben.

Giftiger Skolopender im National Park auf der Cat Ba Insel, Halong Bucht
Beeindruckende Landschaften auf dem Weg nach Süd-Vietnam

Kaum zurück auf dem Festland nahmen wir die Fähre über den roten Fluss, in Richtung Süden. Auf der Fähre kam es unerwartet zu Streitigkeiten und ein Vietnamese sprang mir an den Hals und drückte fest zu. An dieser Stelle fühlte ich die Ablehnung, wenn nicht sogar Hass gegenüber Europäern und Westlern. Bestimmt sind liegt das an den vielen Kriegen mit dem Versuch Vietnam zu übernehmen, das haben die Menschen bis heute nicht vergessen, besonders die Gräueltaten der US-Amerikaner. Überall sind in hier in Berührung mit dem Krieg, überall stehen Denkmäler und es gibt sogar extra Touren zu ehemalige Kriegsschauplätzen. Sowie der gesamte Ho Chi Min Pfad wird heute als touristisches Programm vermarktet. Dieser Pfad diente in den Kriegen als Versorgungspfad der Menschen. Und keine Kriegsnation, welche auf dem Boden Vietnams kämpfte, konnte den Pfad zerstören oder die Vietnamesen aufhalten. Auch nicht das besprühen mit „Agent Orange“, zu Entwaldung der Bäume um den Pfad erkennen zu können.

Schöne Küstenabschnitte in Vietnam entlang des südchinesischen Meeres

Auf dem Weg nach Süden wechselten sich die Landschaften immer wieder ab mit vielen Reisfelder, einigen Palmen und Kasuarinen bestandene kilometerlange Sandstrände. Nach einem langen Tag auf dem Rad suchten wir uns eine Unterkunft. Unsere Wahl fiel auf ein kleines Gästehaus in der Nähe eines Strandes. Wir bezahlten einen Geldbetrag für die Übernachtung, in einem einfachen Zimmer ohne Ausstattung mit lediglich zwei einfachen Betten, an den Betreiber und waren zufrieden endlich ausruhen zu können, so dachten wir. Eine Stunde später klopfte der Mann von der Rezeption an der Tür und sagte das wir gehen sollten. Das verstanden wir nicht, wir hatten doch eine Nacht bezahlt. Da wussten wir aber noch nicht, dass wir uns in einem Stunden-Hotel oder Bordell befanden. Gil wollte das nicht akzeptieren und machte sich auf den Weg in die nächste Stadt um die Polizei zu holen. Nach einiger Zeit kamen 2 betrunkene Polizisten auf einer DDR Simson S51 Moped gefahren. Die DDR und Vietnam hatten gute Wirtschaftsbeziehungen und Ostdeutschland lieferte viele Fahrzeuge nach Vietnam. Die Polizisten nahmen uns nicht im geringsten ernst und statteten erstmal einen Besuch bei Chef des Bordells ab, wahrscheinlich waren sie besten Kunden. Nach einer Weile wollten wir endlich wissen, ob wir unser Geld nun wieder bekommen würden. Doch die Polizisten wollten uns gar nicht helfen, nein sie wollten uns verhaften. Später landeten wir wieder in einem Bordell, durften die Nacht diesmal aber bleiben. Dafür konnten wir aber kaum schlafen wegen des regen Begängnis. Leider waren diese Häuser die billigsten Unterkünfte im Land und wir mussten sehr auf unsere Finanzen acht geben.

Blitzschnell, in einem Moment der Unachtsamkeit der Polizisten sprangen wir auf unsere Räder und suchten das Weite. In einem Wäldchen zwei Kilometer südlich verschanzten wir uns im Unterholz und deckten unser Zelt bis zu absoluten Tarnung mit viel Geäst und Reisig ab. Wir hörten die Polizisten, wie sie mit dem Moped die Straße auf und abfuhren, uns suchten und nicht finden konnten. Dann mussten wir lachen. Irgendwie waren die Landschaften wenig abwechslungsreich und nach einschlägigen Erfahrungen, bekam ich den Eindruck die Menschen im Norden Vietnams können Ausländer nicht besonders leiden. Weiter südlich wurden die Menschen freundlicher und auch die Gemüse und Früchtemärkte waren mit wunderbaren Leckereien gefüllt.

Wir sind dort wo der Pfeffer wächst

Nach circa tausend Kilometern hatten wir die Küstenstraße verlassen und bogen landeinwärts auf dem Trans-Asien Highway, eine bessere Lehmstraße, Richtung Laos. Hier wurde die Gegend viel interessanter mit großen Bergen, viel Wald und schönen Gewürzgärten in den Dörfern. Immer wieder sahen wir alte W50 DDR LKW’s mit Regenwaldstämmen beladen. Hier fuhr er, der Wald aus Laos und den Grenzregionen, abgeholzt und billig verkauft.

DDR W50 LKW an der Grenze zu Laos

Es ging über die Grenze in ein neues Land, Laos.

Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.