4 Jahre mit dem Rad um die Welt Grenzenlos Radexpedotion 1997 - 2000

Wie kam es zu dieser Idee?

Das erste Mal standen sich Peer und Gil auf einer Kampfsport-Matte in ihrer sächsischen Heimatstadt Lichtenstein gegenüber, das liegt nun mehr als 22 Jahre zurück. Während der fünf Jahre andauernden Kampfsport-Ausbildung konnten sich die beiden näher kennenlernen und hatten die verschiedensten Zukunftsvisionen, was sie mit ihrem Leben anstellen wollten. Peer wollte als Matrose bei der Handelsflotte der DDR zur See fahren. Da Deutschland wieder vereint wurde, fiel diese Möglichkeit weg und er erlernte den Beruf eines Maurer. Gil wurde Zimmerman und diese Handwerksberufe sollten sich später noch mehrmals bewähren.

Die Grenzen waren nun offen. Langsam tasteten sie sich mit verschiedenen Abenteuern vorwärts. Peer reiste, gerade 18 Jahre alt geworden, allein nach Sri Lanka und erlebte dort tiefste Eindrücke die ihn für immer veränderten. Die freundlichen Singhalesen und die buddhistischen Stupas inmitten der grünen tropischen Landschaften entfachten weitere Sehnsucht, die Welt zu entdecken. Nur ein Jahr später war er dann das erste Mal allein mit dem Fahrrad, ohne Englischkenntnisse und Ausrüstung, für 2 Monate in Indonesien unterwegs und durchquerte auf 2000 Kilometern die ganze Insel Java und erlitt dabei einen echten Kulturschock. Es ist kaum zu glauben, wie vielfältig die Welt wirklich ist.

Gil unternahm indessen eine Radtour durch Mitteleuropa, wie Österreich und Schweiz, wodurch er seine einschlägigen Erfahrungen machte. Er sprach danach nur noch über Australien und Neuseeland. Peer wollte unbedingt in den sagenumwobenen Himalaya und ganz Süd-Ost-Asien entdecken. Mit gemeinsamen Reise-Interessen und einem kaum zu bändigenden Drang die wahre Welt endlich zu entdecken, warfen sie Ihre Ideen zusammen. Fortan war das gemeinsame Ziel Neuseeland mit dem Fahrrad zu erreichen – bis zum anderen Ende der Welt! Die Entscheidung war gefallen, doch der Weg dahin war ein sehr weiter.

Das Fahrrad und die Ausrüstung

Rund 2 Jahre Vorbereitungszeit türmten sich mit einem wahrhaftigen Bollwerk an Arbeit vor ihnen auf. Sorgfältig wurden Schritt für Schritt die einzelnen Ausrüstungsteile zusammengestellt und natürlich auch von ihnen getestet. Dafür schliefen sie nicht nur bei -20 °C im Schlafsack ohne Zelt draußen, sondern testeten auch den Trinkwasserfilter und den leistungsstarken MSR Mulitfuel-Kocher beim Winterzelten im Erzgebirge.
Parallel dazu nahm jeder bis zu 5 Mal pro Woche verschiedene Sportarten in Angriff, wie Radfahren, Schwimmen, Kampfsport und Wettkämpfe. Auch große Rucksäcke wurden angeschafft, um sie auf dem Rücken mit dem Fahrrad nach Neuseeland zu tragen. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich später noch herausstellen sollte.

Die Fahrräder kamen aus dem Mountainbike-Sport und waren aus dem kostbaren Material Titanium hergestellt. Dieses Material rostet nie, ist sehr hart und nimmt alle Schwingungen wie ein Schwamm auf. Sie wurden von Gil und Peer zu Reiserädern umgebaut, allerdings erst einmal ohne Reisegepäckträger. Sie waren ausgestattet mit der besten Schaltung von Shimano aus der Wettkampfgruppe, die XTR. Die Felgen bestanden aus Ceramic mit normalen Speichen und die Bereifung war faltbar. Dazu kam noch die Auswahl von einer Isomatte, Kochgeschirr, Bekleidung für Bergbesteigungen, Bergausrüstung, und allerlei unnütze Sachen, die später keiner mehr brauchte, es fehlte einfach an Erfahrung.

Krankheiten und Vorsorge

Mengen an Informationsmaterialien wurden von Fremdenverkehrsämtern oder auch durch den Besuch der ITB in Berlin zusammengetragen. Besonders wichtig war allerdings die Gesundheitsvorsorge. Das Tropeninstitut Chemnitz versorgte die beiden mit Impfungen wie: Hapatitis A+B, Typhus, Meningokokken Meningitis, Japanische Enzephalitis, Gelbfieber und Tollwut. Vielfältiges Kartenmaterial und eine große Hupe für das Fahrrad machte die Ausrüstung komplett. Bevor das große Abenteuer beginnen konnte, mussten noch die ersten Visa von Pakistan und Indien beantragt werden. In Deutschland stand die Abmeldung bei allen Ämtern bevor, wie zum Beispiel das Einwohnermeldeamt sowie die Kündigung beim Arbeitgeber. Genau 3 Tage vor dem Aufbruch fand Peer noch den Einberufungsbefehl der Bundeswehr im Briefkasten, da war aber alles schon zur Abreise bereit.

Der Abschied

Auf dem Altmarkt in Lichtenstein wurden sie 1997 an einem kühlen Märztag von vielen Neugierigen, dem Bürgermeister der Stadt, einem hiesigen Kindergarten und den Medien öffentlich verabschiedet. Am schwersten jedoch fiel der Abschied für eine unbestimmte Zeit von den geliebten Familien, die sich jetzt schon Sorgen machten, wie das alles werden soll. Tausende von Gedanken bewegten und drehten sich im Kopf. Welche unglaublichen Abenteuer werden wohl da draußen auf sie warten und werden sie es überhaupt schaffen, ihr hoch gestecktes Ziel zu erreichen? Es kamen Gefühle dabei hoch, ob sie sich nicht viel zu viel aufgeladen hatten, auf deutsch gesagt verrückt sind. Der 23. März 1997 war nun der Tag, welcher ihr Leben für immer verändern sollte.

Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.