Tasmanien – 360° im Seekajak, mit Fahrrad und zu Fuß Tasmanien 2011 - 2012

Vorbereitungen in der Heimat

Nationalpark Jasmund, Rügen, Deutschland
Strelasund, Süd-Rügen, Deutschland

Doch unser geplantes Vorhaben war eine ganz andere Kategorie und sehr viel gefährlicher. Wir brauchten Detailkarten von allen Regionen Tasmaniens, ein Langwellenradio, die gesamte Ausrüstung sowie Ersatzpaddel. Auch ein tragfähiger Computer mit Solarsegeln zum Aufladen in der Abgeschiedenheit, GPS Geräte sowie ein Epirb für Seenotortung im Notfall waren unverzichtbar. Ich dachte auch an ein Satelliten-Telefon, allerdings war es so teuer, dass ich es nicht bezahlten konnte. Da wir unsere Robson Kajaks leider nicht preiswert nach Australien schicken konnten, war klar, dass wir uns geeignete Seekajaks in Australien kaufen mussten. Unser Anlaufpunkt dafür war Melbourne.

Unser Plan stand: Wir wollten die Insel Tasmanien, im Südosten von Australien, mit einem Seekajak umrunden und mit dem Fahrrad und zu Fuss erkunden. Die Insel hält die wohl spektakulärsten Landschaften des Kontinents bereit. Sie stellt den kleinsten Bundesstaat Australiens dar und befindet sich zwischen 40. und 50. südlichen Breitengrad. Durch die Nähe zur Antarktis gibt es hier enorm schnelle Wetterwechsel und vier Jahreszeiten an einem Tag. Die Insel ist sehr grün, überzogen mit temperierten Urwaldlandschaften, kristallklaren Seen, mäandernden Flüssen und rauen Bergen. Tasmanien ist die Heimat der höchsten Hartholzbäume der Welt, einer Eukalyptusart mit bis zu 95 Metern Höhe. Hier gibt es einsame Küstenabschnitte von unbeschreiblicher Schönheit. Wale und Weiße Haie ziehen an den unberührten Küsten entlang und seltene eierlegende Säugetiere, wie Schnabeltiere und Echidnas bewohnen die Wälder. Die Australier auf Tasmanien sind der Natur verbunden und strahlen eine große Gelassenheit aus.

Tasmanien hatte mich schon 1999 während unserer Radreise um die Welt sehr beeindruckt und mit seiner Faszination nicht wieder losgelassen. Damals konnten wir die Insel mit unseren Fahrrädern durchqueren und bekamen einen kleinen Eindruck von der Landschaft. Somit entwickelte sich die Vision über Jahre hinweg, Tasmanien später noch einmal genauer zu erkunden. Doch eine Circumnavigation von Tasmanien mit zwei 5 Meter langen hochseetauglichen Kajaks sollte uns wirklich herausfordern. Es galt, etwa 1.500 Kilometer Wegstrecke um die Küste der Insel zu bewältigen. Das Wetter ist unkalkulierbar und daher trägt die Region auch den Beinamen „Die röhrenden Vierziger“. Zuerst sollte es mit dem Fahrrad durch Tasmanien bis nach „Cockle Creek“ gehen, dem Ausgangspunkt des „South Coast Tracks“. Nach der Bewältigung des bekannten Küstenwanderweges, sollte es wieder zurück zur Hauptstadt Hobart gehen, von wo wir zur Umrundung der Insel im Kajak aufbrechen wollten. Danach sollte es mit unseren Fahrrädern wieder quer durch die Insel gehen, zurück zum Hafen nach Devonport und das alles innerhalb von dreieinhalb Monaten.

Endlich Down Under und zwei Kajaks

Landes-Flagge Australien
Melbourne Skyline, Victoria, Australien

Nach 19 Stunden Flug landeten wir in Melbourne, die Einreise nach Australien verlief ohne Probleme. Mit dem Bus ging es zunächst zur 25 Kilometer entfernten Unterkunft im Stadtviertel St Kilda. Der Anblick der Skyline dieser schönen Stadt war wirklich beeindruckend, besonders für uns aus der sächsischen Provinz. Wir genossen den leckeren Cafe und besuchten den „Queens Victoria Market“, ein besonderes Erlebnis mit den Marktschreiern. Nur mit einigen Anstrengungen fanden wir in Melbourne einen gut ausgerüsteten Kajakladen, „Capacity Sports“. Nach eingehender Beratung entschieden wir uns für zwei „Tasman Express“ Kajaks. Diese waren absolut hochseetauglich und konnten es mit der Tasmanischen See aufnehmen. „Capacity Sports“ half uns freundlich weiter und versendete unsere beiden Kajaks per Seefracht nach Tasmanien. Das sollte laut ihrer Aussage circa einen Monat dauern. Am Flughafen Melbourne waren inzwischen unsere Fahrräder im Cargo-Terminal angekommen und unsere beauftragte Agentur brachte die Teile in unsere Unterkunft. Dort wurden wir erst einmal kräftig abgezockt für diesen Transportservice, den wir in Deutschland bereits bezahlt hatten. Es waren ganze 750 AU Dollar an Extrakosten, wirklich viel Geld für uns. Aber zumindest waren unsere Räder gut angekommen und es konnte los gehen.

Capacity Sport, Melbourne, Australien

Eine Fähre, zwei Radfahrer und ein Maskottchen

Fähre zwischen Melbourne, Victoria und Devonport, Tasmanien

Im strömenden Regen radelten wir zum Fährhafen in Melbourne. Das Schiff fuhr über Nacht nach Devonport, auf der stürmischen Bass-Strait schaukelte das Riesen-Schiff hin und her. Am nächsten Morgen vergaß ich noch in aller Eile beim Verlassen des Schiffs unser Maskottchen mitzunehmen. Erst einige Kilometer mit den Rädern außerhalb von Devonport merkte ich, dass ich es vergessen hatte, was für ein Drama. Gerade noch so konnte ich unseren Pinguin „Gletscher Inge“ vor den Reinigungskräften auf dem Schiff retten, denn ohne unser Maskottchen war die Expedition in Gefahr. Nach diesem Schreck empfing uns die Insel mit einem strahlendem Sonnenschein und unsere Abenteurer konnten beginnen.

"Gletscher Inge" gerettet !, Devonport, Tasmanien

Schabeltiere, Ameisenigel und Co

Nachdem wir noch schnell ein paar Lebensmittel eingekauft hatten, dauerte es nicht lange und schon ging es steil bergauf in die Berge Tasmaniens. An einem idyllischen Flusslauf wurde das erste Camp aufgeschlagen. Als ich mir am nächsten Morgen am Fluss die Zähne putzte, bewegte sich auf einmal etwas im glasklaren Wasser. Direkt vor mir tauchte ein wildes Schnabeltier auf, offenbar auf der Suche nach etwas Fressbarem. Ich konnte es kaum glauben, denn es ist sehr selten, ein Schnabeltier in der freien Wildbahn zu sehen, da sie eher dämmerungsaktiv sind. Dieses Tier gehört zu den eierlegenden Säugetieren, genau wie sein Verwandter, der Echidna, der Ameisenigel. Auch die scheuen Echidnas waren immer mal wieder am Straßenrand zu beobachten, während wir durch diese fantastischen Landschaft fuhren. Auf dem Weg zum „Great Lake“ stiegen wir noch steil hinauf, auf das einsame „Quamby Bluff“, mit seinen Moos bewachsenen Wäldern und einem tollen Ausblick auf die „Great Western Tears“.

Echidna, Eierlegendes Säugetier, Tasmanien
Central Plateau, Highlands, Tasmanien
Mohn-Felder, Tasmanien, Australien
Abendstimmung bei Mole Creek, Tasmanien
Pigface in voller Blüte, Tasmanien
Kristallklare Bäche, Tasmanien
Liffey Falls, Deloraine, nördliches Tasmanien

Mit dem Fahrrad ging es weiter über kleine Pässe und Gebirgsstraßen immer bergauf und bergab bis zum „Great Lake“. Hier konnten wir auch in einem schönen Riesenfarn-Wald die tosenden „Liffey Falls“ bewundern. Als wir dann am „Great Lake“ waren, bekamen wir die schnellen Wetterwechsel von Tasmanien zu spüren, denn auf einmal fing es mitten im Sommer an zu schneien. Es war ein ungemütlicher Platz zum Campieren. Bis in die frühen Morgenstunden hielt das nasskalte Wetter noch an. Als die Sonne wieder heraus kam, konnten wir die Fahrt nach Hobart fortsetzen. Immer wieder entdeckten wir neue zauberhafte Wälder mit bis zu 1.500 Jahre alten „Huon“ Pinien. Als wir vom „Central Plateau“ wieder langsam herunter kamen, nahmen die Ortschaften mit ihren freundlichen Menschen zu. Es gab Honigfarmen und sogar eine alte Windmühle, wo Mehl hergestellt wurde. In Hobart angekommen, fuhren wir im dichten Verkehr über die große Autobahnbrücke, um auf die andere Seite zu gelangen, bevor wir direkt am „Derwent-Fluss“ einen Caravan-Park fanden. Hier war mit Barbecue, Dusche und Kühlschrank für alles gesorgt.

Angekommen in Hobart von Devenport, Tasmanien
Blick auf Hobart von Mount Wellington, Tasmanien

Die Kajaks ließen auf sich warten

Monate im Voraus hatte ich schon den Vereins-Chef des „Tasmanischen Kajakclubs“ um Unterstützung mit Informationen gebeten. Nachdem ich ihn anrief, kam er zu uns auf den Campingplatz und von hier aus nahmen die Dinge nun ihren Lauf. Bis zur Ankunft der Boote, die Greg freundlicherweise in Empfang nehmen wollte, dauerte es noch eine unbestimmte Zeit. Deshalb wollten wir erst einmal den „South Coast Track“ im äußersten Süden der Insel in Angriff nehmen. Darauf hatte ich mich schon lange gefreut. Wir verabredeten uns mit Greg nach unserer Rückkehr aus der Wildnis in Kingston.

Abenteuer auf dem „South Coast Track“

Erstes Treffen mit Greg in Hobart, Tasmanien
Unterwegs nach Cockle Creek, Süd-Tasmanien

Die Fahrt von Hobart in den Süden Tasmaniens führte wieder durch herrlich grüne Landschaften mit vielen Weiden für Kühe und Schafe. Es ging eine ganze Weile am Huon River entlang bis wir immer wieder Küstenabschnitte berührten. Auf einer unbefestigten Straße ging die Fahrt bis nach „Cockle Creek“, in der Recherche Bay gelegen, dem südlichsten Ort Australiens. Unsere Räder ließen wir mit Schlössern gesichert an der Station der Wildhüter zurück. Nach einer kurzen Registrierung im Streckenregister konnten wir losmarschieren. Nur mit dem nötigsten Equipment im Rucksack, führte uns der Weg relativ flach durch Eukalyptuswälder. Im freien Gelände der Heidevegetation zeigte die australische Sonne ihre ganze Stärke. Die saubere, klare Luft und die ständig wechselnden Landschaftsabschnitte waren einfach herrlich.

Start South Coast Track, Cockle Creek, Tasmanien
Start in Cockle Creek, Tasmanien
Blowhole Valley, South Coast Track, Tasmanien
South Cape Bay, South Coast Track, Tasmanien

Angekommen an der „South Cape Bay“ genossen wir den phantastischen Ausblick auf das wilde Meer der Tasman See. Aber erst in „South Cape Rivulett“ schlugen wir unser Lager auf und trafen dabei auf einen Landsmann aus der Heimat. Patrik aus Pirna hatte das Schlimmste dieser Tour schon hinter sich. Er kam von der anderen Richtung aus „Melaleuca“. Umringt von mehreren neugierigen „Wallabys“ saßen alle gemeinsam beim Essen im Camp und tauschten wertvolle Erfahrungen  und Informationen aus. Genau als Patrik zusah, sollte ich Gil durch den tiefen Fluss tragen, da er wunde Füße hatte. In der Mitte vom Fluss geriet ich mit ihm auf den Schultern in eine Sandbank und Gil ging in seinen Klamotten mit mir baden. Das Gelächter am anderen Ufer war groß, ein heftiger Streit mit Schuldzuweisungen folgte und wir wechselten an diesem Tag kein Wort mehr miteinander.

South Cape Rivulet, South Coast Track, Tasmanien
Flussdurchquerung, South Cape Rivulet, South Coast Track, Tasmanien
Alles nass, South Cape Rivulet, South Coast Track, Tasmanien
Sandstone Creek, Shoemaker Bay,South Coast Track, Tasmanien

Der „South Coast Track“ war bekannt für seine unbefestigten Wege. Überall war nur Schlamm, Schlamm und nochmals Schlamm! Teilweise bis zu den Knien reichte die braune Pampe und es standen auch noch weitere Flußdurchquerungen an. Es  war ein harter Marsch von sechseinhalb Stunden, über zwei 450 Meter hohe Bergpässe bis endlich der „Granite Beach“ erreicht war. Die ganze Nacht regnete es in Strömen und kleine Rinnsale wurden urplötzlich zu großen, braunen Flüssen. Manche waren am Vortag noch nicht einmal da.

Urwald, South Coast Track, Tasmanien
Blick in die Surprise Bay, South Coast Track, Tasmanien
Blick auf Surprise Bay, South Coast Track, Tasmanien
Prion Beach und Precipitous Bluff, South Coast Track, Tasmania
New River Lagoon, South Coast Track, Tasmanien
Tasmanian Warratah (Telopea truncata), South Coast Track, Tasmanien
Gipfel der Iron Bound Range, South Coast Track, Tasmanien
Far Away Creek, South Coast Track, Tasmanien

Weiter ging es zur „Iron Bound Range“. Von der 960 Meter hohen Bergkette blickten wir auf einen schier unendlich grünen Teppich aus dichtem Regenwald. Hier nun sollte noch der Tasmanische Tiger bis Anfang des 20. Jahrhunderts existiert haben. Er wurde früher für einen blutrünstigen Jäger gehalten, weshalb seitens der Regierung ein Kopfgeld für jedes getötete Tier gezahlt wurde. Schutzmaßnahmen, die zum Erhalt der Art ergriffen wurden, kamen zu spät. Der Beutelwolf gilt seit 1936 als ausgestorben. Trotzdem soll es bis heute immer wieder zu Sichtungen gekommen sein. Einen eindeutigen Beweis dafür gab es aber bisher nicht.

Kurz vor Melaleuca, South Coast Track, Tasmanien
Melaleuca, Wildernees, SW Tasmanien
Melaleuca Air Stripe, Wilderness, SW Tasmanien

Nach sieben Tagen und 90 Kilometer Fußmarsch kamen wir am Ziel in Melaleuca an. Schon von weitem war die schneeweiße Landepiste für Buschflugzeuge zu sehen. Eine Zinnmine, eine Rangerstation, zwei Hütten für Trekker und eine Beobachterstation für Sittiche, mehr war Malaleuca nicht. Mit einer kleinen Fokker Maschine flogen wir über die endlose Wildnis zurück nach Hobart. Unterwegs ging es direkt über den markanten „Federation Peak“, vielleicht ein Ziel für die nächste Tour in diese Region. Nur 50 Minuten später hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen.

Der „South Coast Track“ war bekannt für seine unbefestigten Wege. Überall war nur Schlamm, Schlamm und nochmals Schlamm! Teilweise bis zu den Knien reichte die braune Pampe und es standen auch noch weitere Flußdurchquerungen an. Es  war ein harter Marsch von sechseinhalb Stunden, über zwei 450 Meter hohe Bergpässe bis endlich der „Granite Beach“ erreicht war. Die ganze Nacht regnete es in Strömen und kleine Rinnsale wurden urplötzlich zu großen, braunen Flüssen. Manche waren am Vortag noch nicht einmal da.

Urwald, South Coast Track, Tasmanien
Blick in die Surprise Bay, South Coast Track, Tasmanien
Blick auf Surprise Bay, South Coast Track, Tasmanien
Prion Beach und Precipitous Bluff, South Coast Track, Tasmania
New River Lagoon, South Coast Track, Tasmanien
Tasmanian Warratah (Telopea truncata), South Coast Track, Tasmanien
Gipfel der Iron Bound Range, South Coast Track, Tasmanien
Far Away Creek, South Coast Track, Tasmanien

Weiter ging es zur „Iron Bound Range“. Von der 960 Meter hohen Bergkette blickten wir auf einen schier unendlich grünen Teppich aus dichtem Regenwald. Hier nun sollte noch der Tasmanische Tiger bis Anfang des 20. Jahrhunderts existiert haben. Er wurde früher für einen blutrünstigen Jäger gehalten, weshalb seitens der Regierung ein Kopfgeld für jedes getötete Tier gezahlt wurde. Schutzmaßnahmen, die zum Erhalt der Art ergriffen wurden, kamen zu spät. Der Beutelwolf gilt seit 1936 als ausgestorben. Trotzdem soll es bis heute immer wieder zu Sichtungen gekommen sein. Einen eindeutigen Beweis dafür gab es aber bisher nicht.

Kurz vor Melaleuca, South Coast Track, Tasmanien
Melaleuca, Wildernees, SW Tasmanien
Melaleuca Air Stripe, Wilderness, SW Tasmanien

Nach sieben Tagen und 90 Kilometer Fußmarsch kamen wir am Ziel in Melaleuca an. Schon von weitem war die schneeweiße Landepiste für Buschflugzeuge zu sehen. Eine Zinnmine, eine Rangerstation, zwei Hütten für Trekker und eine Beobachterstation für Sittiche, mehr war Malaleuca nicht. Mit einer kleinen Fokker Maschine flogen wir über die endlose Wildnis zurück nach Hobart. Unterwegs ging es direkt über den markanten „Federation Peak“, vielleicht ein Ziel für die nächste Tour in diese Region. Nur 50 Minuten später hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen.

Die kleinsten Pinguine der Welt

Nach Einbruch der Dämmerung merkten wir erst, wo wir gelandet waren – mitten in einer Pinguin Kolonie. Kaum war es dunkel, hörten wir überall sehr seltsame Geräusche und dann tauchten die Pinguine im Scheinwerferlicht der Stirnlampen auf. Die meisten jedoch flüchteten schnell wieder und suchten lieber Schutz in der Dunkelheit. Unser Maskottchen „Gletscher Inge“ konnte sie auch nicht zum Verweilen überzeugen. Überall in der Graslandschaft waren die Bauten der Pinguine verstreut und die Jungen warteten schon auf ihre Eltern, welche mit Futter aus dem Meer zurück kamen. Das war ein tolles Erlebnis. Seit zwei Tagen tobte nun schon ein heftiger Sturm auf See. Am dritten Morgen ging es raus aufs Meer, durch die immer noch hohe Brandungszone mit großen, brechenden Wellen.

Weltkleinster Pinguin, Stanley, NW Tasmanien
Weltkleinster Pinguin mit Gletscher Inge, Stanley, Tasmanien
Blick auf den Circular Head, Stanley, NW Tasmanien

Gestrandet mitten im Meer

Wir entschieden uns, einfach geradeaus bis zur „Perkins Insel“ zu traversieren und die Wellen wurden immer höher und irgendwann unkontrollierbar. Es waren viele angstvolle Momente auf dem Meer, welche an der „Perkins-Passage“ in den 4 Meter hohen Wellen in Strandnähe fast mit dem Kentern gipfelten. Gerade so konnte Gil noch den richtigen Weg in die Passage erkennen. Hinter der Passage sah das Wasser flach wie ein Blatt Papier aus, kaum zu glauben. Als nächstes ging es durch die flache Perkins-Passage, wo hunderte von schwarzen Schwänen vor uns herflogen. Übernachten konnten wir am „Montagu Campground“ am „Stony Point“. Hier konnte ich am Abend Delphine beobachteten, wie sie in den Wasserrinnen Fische jagten. Weiter westlich erreichten wir anschließend die noch viel flachere „Robins Passage“. Hier war der Gezeitenplan äußerst wichtig, um nicht auf Kilometer weiten Sandbänken im Trockenen zu sitzen. Wir dachten, wir hätten die Gezeitentabelle richtig verstanden, dem war aber nicht so und wir mussten unsere Kajaks Kilometer weit durch das 10 Zentimeter flache Wasser ziehen. Wir wussten, dass die gefürchtete Westküste immer näher kam und ich fragte mich, wie die wohl aussieht. Frühmorgens war Ebbe und bei 3 Meter Gezeitenunterschied mussten wir die 100 Kilo schweren Kajaks über den steinigen Untergrund bis an die Wassergrenze schleppen.

Robins Passage, NW Tasmanien

Zwei Nussschalen in den Wogen der gefürchteten Westküste

Nun hatten wir unsere nächste Etappe zum „Woolnorth Point“ vor uns, dem nordwestlichsten Punkt Tasmaniens, wo die raue Tasman See in die stürmische Bass-Strait kracht. Als der Wasserspiegel wieder stieg, wurden wir förmlich vom Wasser mitgerissen. Wir konnten die Gewalt der Gezeiten unter unseren Kajaks spüren und erreichten unser Camp am besagten Punkt, direkt auf dem Gelände der „Woolnorth Farm“. Zu Fuss gingen wir sechs Kilometer bis zum Farmhaus, um zu fragen, ob wir draußen am Kap übernachten dürften. Durch unsere Höflichkeit wurden wir gleich zur abendlichen Party auf der Farm eingeladen. Das unerlaubte Übernachten auf dem Farmgelände, so erfuhren wir, hat schon viel Ärger verursacht. Hier blieben wir zwei Nächte, um die Gezeiten besser zu verstehen. Ich saß am Ufer und beobachtete wie in Hypnose die schier unendliche Gewalt des Wassers. Bis zu 20 Meter hohe Gezeiten-Wellen türmten sich in der Mitte vom „Woolnorth Point“ zu „Trefoil Island“ auf.

Camp in Temma Harbour, Westküste Tasmanien
Meerohren-Schnecken zum Abendessen, Temma Harbour, Westküste Tasmanien

Nun, nach acht Wochen auf Reisen, war es soweit und wir paddelten mit dem abfließenden Wasser in rasender Geschwindigkeit um das Kap und landeten sofort in sechs Meter hohen sogenannten „Ocean Swells“, der nicht brechenden ozeanischen Wellenbewegung. Genau zwischen den „Doughboys“ (Teig-Jungen Inseln) bahnten wir unseren Weg entlang der Westküste Tasmaniens in Richtung Süden. Erst jetzt kam die Feuertaufe für uns und wir sollten sie bestehen. Hier war das Wetter äußerst launisch und Riffe mit riesigen Wellen könnten absolut unerwartet zur großen Gefahr werden, wenn man nicht genügend Abstand zur Küste und den Riffen einhält. Auch der Wind drehte mehrmals pro Tag, erst von Süd, dann von Nord und später wieder von Südwest.

Conical Rocks, Westküste, Tasmanien, Australien
Hochsee, Westküste Tasmanien
Sandy Cape, raue West-Küste, Tasmanien

Als die Windstärke zunahm und sich daraus schnell Sturmböen entwickelten, entschieden wir uns, in „Temma“ anzuhalten. Das Problem war aber, dass wir Temma Harbour vom offenen Meer aus gar nicht sehen konnten. Selbst die GPS Daten waren nur zu schätzen. Als aber ein Motorboot in Richtung Küstevorbei rauschte, sahen wir, wo sich der kleine Ort mit den 5 Häusern befand. Die Passage zum Hafen wurde von 10 Meter hohen röhrenden Wellen gesäumt und es galt, diese geschickt zu umfahren. Eine leere Blechhütte im Hafen bot uns Schutz, während draußen der Sturm tobte. Wasser und Strom bekamen wir von den freundlichen Fischern hier.

Der Speiseplan wurde mit leckeren Meerohren-Schnecken aufgebessert, welche ich im eiskalten Wasser tauchte. Hier blieben wir einige Tage und trafen auf den Polizeichef Dave mit seinem Freund Rocky. Sie luden uns zu einer Fahrt mit Strand-Buggy’s ein, um die Küste nach Süden zu erkunden. Wir fuhren bis zum „Sandy Cape“ und konnten schon die Küste und somit auch die Landeplätze sehen. Hier gab es gewaltige Sanddünen wie auch in der Sahara, nur dass es kalt und windig war. Hier befanden sich sogenannte „Aboriginal Shell middens“, wo tasmanische Ureinwohner einst Meeresfrüchte verspeisten. Riesige, hunderte Jahre alte, über Generationen angewachsenMuschel-Berge lagen in Küstennähe herum.

Endlich war das Unwetter vorüber und die See wieder ruhiger. Unsere Fahrt ging über Sandy Cape am schwarzen „Piemann River“ und den „Conical Rocks“ vorbei und in mehreren Tagen nach „Granville Habour“. Hier bezogen für eine Nacht ein schönes Ferienhaus von Maureen. Die nächste Etappe war die längste und weiteste der gesamten Tour. Unser Ziel war „Hells Gates“, südlich von „Strahan“. Was wir nicht wussten war, dass das abfließende Wasser aus dem riesigen, vierzig Kilometer langen „Macquarie Inlet“ einen ständigen Sog nach Norden auslöst. Wir kamen und kamen einfach nicht voran. An diesem Tag paddelten wir ohne eine Minute Pause 13 Stunden, um unser Tagesziel zu erreichen. Es gab keine Möglichkeit, durch die 10 Meter hohen brechenden Wellen am Great Ocean Beach der Westküste zu landen. Auch konnten wir nicht aufhören zu paddeln, die Strömung hätte uns wie Nussschalen einfach hinaus in den Ozean gezogen.

Absolut geläutert kamen wir  der Dämmerung am sicheren Camp-Platz der „Macquarie Heads“ an.

Durch das Höllentor in Sicherheit

Nun brauchten wir erst einmal etwas Ruhe und wollten lieber in die Geschichte Tasmanien eintauchen. Denn Tasmanien hieß früher „Van Diemen’s Land“ und war bei den Briten als Strafgefangenenlager absolut gefürchtet. Wir paddelten durch das Inlet bis nach „Sarah Island“, die Strafgefangenen-Insel. Hier fanden wir sogar eine Übernachtungsmöglichkeit bei einem Ranger der Insel, welche überzogen war mit Ruinen der Gefängnisse. Eine unheimliche Stimmung breitete sich aus.

Bald wurde es noch interessanter, denn wir paddelten den magischen „Gordon River“ flussaufwärts, in den Nationalpark „Franklin-Gordon Wild River National Park“ in die sogenannte Tasmanische Wilderness. Dies waren wohl die allerschönsten Landschaften, die ich je gesehen hatte. Es war eine unberührte, jahrtausende alte Naturkulisse im Kontrast mit dem dunklem Wasser des Gordon Flusses, gefärbt durch Tannine, pflanzliche Gerbstoffe. Hier sahen wir Schnabeltiere und nebelverhangene Urwälder. Unser Ziel war sehr tief in der Wildnis, die „Sir John´s“ Wasserfälle. Schon von weitem war das laute Grollen zu hören, welches die Stille der Abgeschiedenheit durchbrach.

Gordon River, Franklin-Gordon-Wild-Rivers-Nationalpark, SW Tasmanien
Gordon River, Franklin-Gordon-Wild-Rivers-Nationalpark, SW Tasmanien
Franklin Gordon Wild River Nat. Park, West-Tasmanien
Black Tiger Snake, Franklin Gordon Wild River, SW Wilderness, Tasmanien
Franklin Gordon Wild River, SW Wilderness, Tasmanien

Versteckt im dichten Wald gab es eine Hütte der Nationalpark-Verwaltung. Die Besucher konnten sie kostenlos nutzen, obwohl fast nie welche anzutreffen waren. Bei unserem Landgang mussten wir höllisch aufpassen, denn überall tummelten sich hochgiftige „Schwarze Tigerottern“. Wir paddelten bis zu einer Wanderschleife für Touristen zurück, der „Heritage Landing“. Dort entschieden wir uns, mit der großen Katamaran Fähre direkt bis in die Stadt  „Strahan“ zurück zu fahren.

Strahan, Westküste, Tasmanien

Alle Leitungen tot und ein sonderbares Bauchgefühl

In den vergangenen Tagen hatten wir uns intensive Gedanken gemacht, wie es mit unserem Vorhaben weiter gehen sollte. Für die verbleibenden Kilometer an der restlichen West- und Südküste wurde die Zeit immer knapper, besonders bei weiteren Schlechwetter-Phasen. Des Weiteren fehlte uns das Satelliten-Telefon, da weder Gils Rechner noch mein Langwellen-Radio hier Empfang hatten, um die täglichen Wettervorhersagen abzuhören. Das war ein Dilemma, auch hatte ich ein sonderbares Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmte.

Diese Faktoren brachten uns leider zu der Entscheidung, unsere Kajaks zum Süd-Ost-Kap Tasmaniens zu verfrachten. Von dort waren es nur noch 300 Kilometer bis Kingston. Dass diese Entscheidung für mich 100% richtig war, würde sich in den nächsten Tagen noch zeigen

Ein treuer Freund

Kayaktransport nach Hobart von Dr. Mark Howard

Der liebe Mark half uns aufopferungsvoll die Kajaks mit seinem Anhänger nach „Cockle Creek“ zu transportieren, eine Strecke von 800 Kilometern. Gut angekommen in der „Recherche Bay“ brachen wir schon bald auf, die letzten Kilometer zu unserem Startpunkt zu paddeln. Am Abend fanden wir einen sehr schönen Camp-Platz, doch um dorthin zu gelangen, mussten wir durch die Brandung brechen, hinein in ein Inlet. Dort sah ich wohl einen der schönsten Sonnenuntergänge, die ich je gesehen hatte. Von hier paddelten wir im scharfen Wind und in schönen Wellen hinüber nach „Bruny Island“, auch bekannt für seine gewaltigen Doleritfelswände. Am Abend gab es wieder leckeren, selbst geangelten Fisch und Kalmare.

Sonnenuntergang, Southport Lagoon, SE Tasmanien

Natürlich gab es auch heftigen Streit mit Gil, wie seit eh und je. Am selben Abend hatte ich einen sonderbaren Schwächeanfall. Mir war so heiß, als hätte ich 50°C Körpertemperatur. Erst nach einem Bad im eiskalten Wasser wurde es etwas besser. Was das war, sollte ich mit aller Härte alsbald erkennen. Der letzte Tag war ein kurzer Paddeltag durch den D’Entrecasteaux-Kanal hinüber nach Kingston. Dort wartete schon Terry, ein Freund von Greg, um uns abzuholen. Hier hatten wir unser Ziel nach 1.240 Kilometern Distanz erreicht.

Ankunft in Kingston, Ost-Tasmanien

Eine neue Zukunft

Danach wusste ich, ich musste etwas in meinem Leben verändern, denn es lief etwas gehörig schief. Ich gründete meine neue Firma „NATURA CONCHA“. Es ist ein Unternehmen für den Verkauf von besonderen Naturschätzen aus aller Welt. Expeditionen, Reisen, Menschen treffen, Kulturen kennen lernen, auf Berge steigen, tauchen gehen und all die Dinge in der Natur werden immer mein Lebensinhalt bleiben. Die wunderbare Welt zu entdecken, ist kein Bedürfnis sondern ein Teil von mir.

Alarmsignal, dazu kamen noch unsagbare Schmerzen. Ich musste zum Arzt in Hobart und dort schickten sie mich sofort ins MRT. Währenddessen wartete ich noch zwei Tage auf das Ergebnis und erzählte Mark davon. Inzwischen setzte sich Gil schon mal aufs Rad und fuhr davon. Ich dachte nichts Schlimmes, doch bei der Auswertung kam heraus, dass in meiner linken Niere ein Tumor war, welcher das Blut verursachte. Sofort holte mich Mark als Arzt zu sich nach Hause, sagte mir aber nicht, dass er das schon geahnt hatte. Ich konnte Gil nicht mehr erreichen, um ihm meine sofortige Rückkehr nach Deutschland zu erklären.

Mark half mir, alle Flüge umzubuchen. Er und seine Familie kümmerten sich rührend um mich. Für mich war das alles wie ein falscher Traum, ich konnte einfach nur schnellstens handeln, sonst nichts. Zurück in Deutschland lag ich schon auf dem OP-Tisch und mir wurde die gesamte Niere entfernt. Zu meinem großen Glück hatte da nichts gestreut und durch die enormen Anstrengungen hatte sich das lebendsbedrohliche Problem gerade noch rechtzeitig offenbart – Glück im Unglück.

Am Ziel angekommen

Bei Greg daheim konnten wir für die nächsten Tage die Zelte im Garten aufbauen. Die Gastfreundschaft, die uns hier widerfuhr, suchte wirklich seines Gleichen. Es gab einiges zu tun. Die Boote mussten gründlich gereinigt werden, um sie zeitnah leider wieder verkaufen zu können. Sie nach Deutschland zu schicken, wäre viel zu teuer gewesen. Deshalb nahm Maureen die Gelegenheit wahr und übernahm die beiden Kajaks. So waren sie in guten Händen.

Am selben Abend nach unserer Ankunft hatte ich seltsamerweise Blut im Urin. Das war ein Alarmsignal, dazu kamen noch unsagbare Schmerzen. Ich musste zum Arzt in Hobart und dort schickten sie mich sofort ins MRT. Währenddessen wartete ich noch zwei Tage auf das Ergebnis und erzählte Mark davon. Inzwischen setzte sich Gil schon mal aufs Rad und fuhr davon. Ich dachte nichts Schlimmes, doch bei der Auswertung kam heraus, dass in meiner linken Niere ein Tumor war, welcher das Blut verursachte. Sofort holte mich Mark als Arzt zu sich nach Hause, sagte mir aber nicht, dass er das schon geahnt hatte. Ich konnte Gil nicht mehr erreichen, um ihm meine sofortige Rückkehr nach Deutschland zu erklären.

Mark half mir, alle Flüge umzubuchen. Er und seine Familie kümmerten sich rührend um mich. Für mich war das alles wie ein falscher Traum, ich konnte einfach nur schnellstens handeln, sonst nichts. Zurück in Deutschland lag ich schon auf dem OP-Tisch und mir wurde die gesamte Niere entfernt. Zu meinem großen Glück hatte da nichts gestreut und durch die enormen Anstrengungen hatte sich das lebendsbedrohliche Problem gerade noch rechtzeitig offenbart – Glück im Unglück.

Peer Schepanski

Expeditionsreisender, mit naturwissenschaftlichen Interesse und leidenschaftlicher Sammler. Mit zahlreichen Expeditionen, lernte, dass manche Entbehrungen durch ursprüngliche Begegnungen mit Natur und Menschen belohnt werden.